Auktionshaus

Auktion: Alte Meister

23. Oktober 2018, 15:00 Uhr

0127

Maerten de Vos

(Antwerpen 1532 - 1603 Antwerpen)

„Das Sonnenweib und der siebenköpfige Drache (Offenbarung des Johannes)“
1570er Jahre
Öl auf Holz
141 x 219,5 cm

Provenienz

österreichischer Privatbesitz

Kurz-Gutachten Dr. Klaus Ertz, Lingen, den 23. April 2018, liegt bei.

Schätzpreis: € 15.000 - 30.000
Ergebnis: € 10.000
Auktion ist beendet.

Maerten de Vos zählt als Maler und Graphiker zu den bedeutendsten Vertretern des flämischen Manierismus und spielte in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts vor allem als Vermittler italienischen Formengutes eine wichtige Rolle. In vorliegendem Gemälde, von Dr. Klaus Ertz in die 1570er Jahre datiert, greift de Vos auf großem Format ein religiöses Sujet, die Offenbarung des Johannes oder Apokalypse, aus dem letzten Buch des Neuen Testaments auf (Offenbarung 12, 1-22).
Eingebettet in eine weitläufige Landschaft zeigt der Maler Johannes‘ Vision des Sonnenweibes mit dem siebenköpfigen Drachen bzw. Tier, eine Szene, die auch Albrecht Dürer (1471-1528) in seinem 15-teiligen Druckwerk der Apokalypse (1498 veröffentlicht) besonders eindrucksvoll in Form eines Holzschnittes umsetzte (vgl. Albertina, Wien, Inventarnummer DG1934/360).
Links im Mittelgrund schildert de Vos zunächst den auslösenden Moment, der die Vision vom Ende der Welt zur Folge haben sollte - das Martyrium des heiligen Johannes.
Der Legende nach und hier verbildlicht wurde dieser bei der Porta Latina in Rom in einem Kessel sitzend mit siedendem Öl übergossen. Da er diese Marter jedoch unbeschadet überstand, wurde er von Domitian auf die griechische Insel Patmos verbannt, wo Johannes die Vision ereilte - dargestellt links im Vordergrund sitzend und jene Szene niederschreibend, die sich ihm und dem Betrachter in der rechten Bildhälfte offenbart:
Babylon, die Große, auf dem siebenköpfigen Tier mit zehn Hörnern reitend, in biblischem Sinne als Allegorie des römischen Weltreiches bzw. der Gegner der Gläubigen zu sehen, sieht sich dem Sonnenweib gegenüber. Auf der Mondsichel schwebend, von hellem Glanz und das Haupt von zwölf Sternen umgeben, ist das apokalyptische Weib mit ihrem neugeborenen Sohn, der zu dem im Himmel thronenden Gottvater entsandt wird, in frühchristlicher Zeit als Sinnbild der Kirche, ab dem 12. Jahrhundert aber auch als Maria mit Christus verstanden bzw. gedeutet worden.

Das gegenständliche Gemälde bezeugt nicht nur de Vos‘ Können als Figuren- und Landschaftsmaler, sondern zeigt auch all jene Charakteristika, die seine großformatigen Arbeiten dieser Schaffensphase auszeichnen und von Dr. Klaus Ertz treffend zusammenfasst werden: „In seiner figürlichen Kunst ist er einer der entscheidenden Interpreten der italienischen Formenwelt des reifen Manierismus […]. Aber nicht nur in der figürlichen Gestaltung, sondern auch im Hinblick auf die Landschaften wären seine Bilder ohne das Vorbild italienischer oder venezianischer Schulung kaum denkbar. Seine Farbigkeit lässt an Tintoretto denken, die räumliche Anordnung seiner Landschaften entspricht dem venezianischen Manierismus. Von den meist großen Figurengruppen im Vordergrund wird der Blick auf den Mittelgrund, in dem weitere Personen mit Bezug zu den vorderen stehen, in die ferne Tiefe des Raumes geleitet. Die Welt-Landschaft ist ein Teil der Bildkomposition, wobei jedoch das Figurale eindeutig im Vordergrund steht und das Gemälde dominiert.“ (vgl. Gutachten Dr. Klaus Ertz).