Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

20. Juni 2018, 18:00 Uhr

0867

Gerhard Richter*

(Waltersdorf 1932)

„Grau“
1973
Öl auf Leinwand; gerahmt
50 x 60 cm
Rückseitig signiert und datiert: Richter, 73
Rückseitiger Vermerk der Werkverzeichnisnummer: 340/1

Provenienz

Galerie Georg Kargl, Wien;
seit 2015 Privatsammlung, Wien

Ausstellung

„High Ideals & Crazy Dreams“, groupshow curated by Gerwald Rockenschaub, Galerie Vera Munro Hamburg, 20.5.-30.9.2010
“was wäre ich ohne dich…”, City Gallery, Prag, 4.7.-22.10.2006
„I still love the 20th century“, Georg Kargl Fine Arts, Vienna 24.3.-30.4.2006
“Gerhard Richter, Image After Image”, Louisiana Museum of Modern Art, Humlebaek, 4.2.-6.6.2005
“Il colore della vita/Die Farben des Lebens. Hommage à Piero Siena », Museion Bozen, 3.12.2004-30.01.2005
“Collector’s Choice, Internationale Kunst seit 1950, Sammlung Ploil, eine Auswahl”, Neue Galerie Graz, 10.3.-25.8.2002
„Zusammenhänge im Biotop Kunst“, Kunsthaus Muerz, 30.10.2001-02.2002
Städtische Galerie im Lenbachhaus, München, Deutschland, 23.5. -1.7.1973

Literatur

The object is enlisted in the catalogue raisonné (online) with the no.: 340-1.

„Catalogue Raisonnee 1962 – 1993“, Kunst- und Ausstellungshalle der BRD, 1993, Nr. 340/1.
„Gerhard Richter, Image After Image“, Louisiana Museum of Modern Art, Humlebaek 2005, S. 45, Nr. 42.
“Text. Schriften und Interviews”, Gerhard Richter im Gespräch mit Hans Urlich Obrist, 1993, erwähnt auf S. 85, S. 144-145.
„Gerhard Richter 1988/1989“, Schamper, Karel/Tilroe, Anna/Buchloh, Benjamin H.D., Museum Boymans-van Beuningen, Rotterdam 1989, erwähnt auf S. 25/26.
„Gerhard Richter. Paintings“ Rorimer, Anna/Zacharopoulos, Denys, Marian Goodman Gallery/Sperone Westwater, New York, NY, 1987, erwähnt auf S. 5,6.
“Gerhard Richter. Bilder=Paintings 1962-85”, erwähnt auf S. 40, 41, 382, Abb. S. 164, Nr. 340/1 anlässlich Ausstellungen in Städt. Kunsthalle Düsseldorf, 18.1.-23.3.1986; Nationalgalerie Berlin, 25.4.-1.6.1986, Kunsthalle Bern, 13.6.-20.7.1986; MMK Wien 18.9-21.9.1986, DuMont Köln 1986.

€ 190.000

Ende der 1960er Jahre beginnt Gerhard Richter seine Leinwände grau zu streichen. Anfangs geschieht das aus einer Situation der scheinbaren Ausweglosigkeit heraus. Der Künstler ist an einem Punkt angekommen, wo er das Malen an sich in Frage stellt, wo er kein Thema mehr für sich zu finden scheint. Doch aus diesem Nihilismus beginnt sich Neues zu entwickeln. Grau – diese unbunte Farbe – eröffnet den Zugang zu gänzlich neuen Bildwelten. „Grau hat schlechthin keine Aussage, es löst weder Gefühle noch Assoziationen aus, es ist eigentlich weder sichtbar noch unsichtbar. Die Unscheinbarkeit macht es so geeignet zu vermitteln, zu veranschaulichen, und zwar in geradezu illusionistischer Weise gleich einem Foto. Und es ist wie keine andere Farbe geeignet ‚nichts’ zu veranschaulichen“, so der Künstler 1975 (Gerhard Richter: Text 1961 bis 2007. Schriften, Interviews, Briefe, Köln 2008, S. 92).

Grau ist für Richter „die ideale Farbe für Meinungslosigkeit, Aussageverweigerung, Schweigen, Hoffnungslosigkeit. Also für Zustände und Aussichten, die einen betreffen und für die man ein Bild finden möchte“ (s.o., S. 490/491). Gleichzeitig ist er fasziniert von dieser Ambivalenz aus Ausweglosigkeit und „ernster Schönheit“ (s.o., S. 197), die die grauen Bilder auszeichnet.

„Grau“, 1973 entstanden, lebt von der Strukturierung der Farbe. Die horizontal aufgetragenen Farbschichten bilden ein dichtes Gewebe aus parallel zueinander verlaufenden Rillen und Graten, die an manchen Stellen in Tiefe und Breite variieren und so Bewegung ins Bild bringen. Ein wenig erinnert es an Wellen, die über die Meeresoberfläche laufen, in unendlichen Weiten, die endlos fortgesetzt gedacht werden können. Je länger man sich in diese Malerei vertieft, desto heftiger wird man in sie hineingezogen. Ein oberflächliches, mit dem Blick Vorbeistreifen verzeiht so eine Art von Kunst nicht.

Gerhard Richter ist an einem Punkt angekommen, an dem er Zeichnung und modellierte Figuration, perspektivische Komposition, die Farbe mit ihren Kontrasten und Tonalitäten, sowie jeglichen ikonographischen Bezug negiert, nur um bald darauf zu neuen Ufern aufzubrechen. Das ständige Infragestellen und das sich mit dem Erreichten nicht Zufriedengeben kennzeichnen das Werk dieses wichtigen deutschen Künstlers, der regelmäßig internationale Kunstrankings anführt und zu den teuersten zeitgenössischen Malern zählt. (Sophie Cieslar)