Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

19. Juni 2018, 18:00 Uhr

0393

Wilhelm Thöny*

(Graz 1888 - 1949 New York)

„Paris“
1933-36
Öl auf Leinwand
23 x 29,5 cm
Signiert links oben: W. Thöny

Provenienz

österreichischer Privatbesitz

Literatur

Christa Steinle / Günther Holler-Schuster (Hg.), Wilhelm Thöny. Im Sog der Moderne, Ausst.-Katalog Neue Galerie Graz, Universalmuseum Joanneum, 24. Mai - 22. September 2013, WV-Nr. 331 (mit Abb.)

€ 51.000

Im Jahr 1929 reiste Wilhem Thöny erstmals nach Paris und war fasziniert vom Kunstleben und Flair der französischen Metropole. 1931 folgte seine Übersiedlung nach Paris, wo er sehr glückliche und künstlerisch äußerst produktive Jahre verbrachte, bevor er 1938 mit seiner jüdischen Frau Thea nach New York emigrieren musste.

Paris stellt sich für Thöny als "brausende, tausendfältig schöne und interessante Stadt" dar, "formvollendet und positiv" (Brief Wilhelm Thöny an Paula Haimel, 28. 11. 1931, vgl. Kat. Neue Galerie Graz, S. 195). Inspiriert von der Atmosphäre der Stadt, den intensiven Seherlebnissen und in Auseinandersetzung mit der französischen Avantgarde kommt es zu einem bemerkenswerten Wandel der Bildsprache: das dunkle Kolorit und der schwermütige Tenor der Grazer Jahre weichen einer hellen frischen Farbpalette, die eine heitere Grundstimmung ausstrahlt. Der Pinselduktus wirkt leicht und flüchtig. In einem Brief an Alfred Kubin schreibt Thöny aus Paris: "Als Maler glaube ich (koloristisch) das richtige zu tun, noch hier zu bleiben, meine Farben waren allzu finster, ja hoffnungslos schwer." (Brief Wilhelm Thöny an Alfred Kubin, 15. 5. 1934, vgl. Kat. Neue Galerie Graz, S. 311)
Die vorliegende Ansicht von Paris steht charakteristisch für diese wichtige Schaffensperiode Thönys. Von einem höher gelegenen Standpunkt aus wandert der Blick über die Häuserreihen zum tief liegenden Horizont. Das Interesse des Malers gilt der atmosphärischen Erscheinung der Metropole, deren Silhouette im hell flimmernden Dunst flüchtig und anonym wirkt, wenngleich einzelne das Stadtbild prägende Gebäude deutlich auszumachen sind. (Claudia Mörth-Gasser)