Auktionshaus

Auktion: Alte Meister

24. April 2018, 15:00 Uhr

0668

Jan Brueghel der Jüngere

(1601, Antwerpen - 1678, Antwerpen)

„Blumen in einem Henkelkorb“
um 1630
Öl auf Holz
49 × 64 cm
Rückseitig Reste des Brandzeichens der Stadt Antwerpen

Provenienz

Privatbesitz, Wien

Kurz-Gutachten Dr. Klaus Ertz, Lingen, den 17. Oktober 2017, liegt bei.

€ 80.000 - 160.000

Der 1601 in Antwerpen geborene Maler Jan Brueghel der Jüngere, Sohn von Jan Brueghel dem Älteren, wies früh großes künstlerisches Können auf, weswegen sein Vater für ihn schon 1616 die erste Reise nach Italien plante, die er jedoch erst 1622 antrat. Bereits 1625 kehrte er nach dem Tod Jan Brueghels d.Ä. nach Antwerpen zurück um dessen Atelier zu übernehmen und erfolgreich weiterzuführen. Jan Brueghel d. J. hatte bereits zuvor gemeinsam mit dem Vater, aber auch eigenständig, Blumensträuße ausgeführt und setzte selbst die Tradition als erfolgreicher Blumenmaler auf höchstem Niveau fort. Als gemeinschaftlich entstandene Werke gelten heute beispielsweise ein „Blumenstrauß in skulptierter Tonvase“ im Antwerpener Koninklijk Museum voor Schone Kunsten oder eben auch ein um 1620 entstandener „Blumenkorb“ im Metropolitan Museum of Arts, New York (vgl. Klaus Ertz/ Christa Nitze-Ertz, Jan Brueghel der Ältere, Lingen 2008-2010, Band III, Kat. 449 & 453)

Wie Dr. Klaus Ertz feststellt, zeigt vorliegendes Gemälde die für Jan Brueghel d. J. typischen Farben, und erinnert gleichzeitig in seiner Detailgenauigkeit an die Blumen-Kompositionen des Vaters. Das prächtige Blumenbouquet ist leicht von oben gesehen, damit der Betrachter auch die Blüten im Korbinneren bewundern kann. Der dunkle einheitliche Hintergrund wird dabei bewusst eingesetzt, um die bunten Blüten noch besser zur Geltung kommen zu lassen. Ebenso dient die hellgraue Tischplatte einzelnen, scheinbar aus dem Korb gefallenen Blumen und den sie belebenden Insekten zur besonderen Inszenierung. Die Blütenvielfalt scheint immens, bedienten sich die Blumenmaler der Zeit neben gemalten und gedruckten Vorlagen aus wissenschaftlichen Illustrationen auch dem Studium der Natur in herrscherlichen Gärten, für welches sie oft weite Reisen zurücklegten.

Derartige Blumenstücke faszinieren damals wie heute auf mehreren Ebenen. Die Komposition erlaubt dem Betrachter gleichzeitig die Schönheit der Blumen, als auch die Fähigkeit des Künstlers, welcher diese so gekonnt verewigte, zu bewundern. „Gerade die Blumenbilder feiern den Triumph der Malerei über die Vergänglichkeit der Natur. Erst in ihrer kunstvollen Inszenierung von Natürlichkeit bei gleichzeitigen Illusionsbrüchen können sie ihre virtuose Künstlichkeit zur Geltung bringen.“ (Barbara Welzel, Kunstvolle Inszenierung von Natürlichkeit. Anmerkungen zu den Blumenstilleben Jan Brueghels d. Ä., in: Wolfenbütteler Arbeiten zur Barockforschung, Laufhütte 2000, S. 556).