Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

06. Dezember 2017, 18:00 Uhr

0626

Wolfgang Hollegha*

(Klagenfurt 1929)

„o.T.“
1981
Öl auf Leinwand; gerahmt
160 x 165 cm

Provenienz

Firmensammlung, Deutschland

€ 70.000

Wolfgang Hollegha, Mitbegründer der legendären „Gruppe St. Stephan“ in Wien, ist einer jener Künstler, die der Abstraktion im Nachkriegs-Österreich zum Durchbruch verhalfen. Etwa zeitgleich mit seinen amerikanischen Kollegen wie Sam Francis und Morris Louis, die dem Kreis der Colourfield Painter zuzurechnen sind, kreierte er eine Arbeitsweise und einen Umgang mit Licht und Farbe, die auch in der internationalen abstrakten Malerei neu waren. Ein Angebot nach New York zu ziehen und dort weiter an einer internationalen Karriere zu arbeiten lehnte er ab, zu sehr ist er seiner Heimat verbunden. Bis 1981, dem Entstehungsjahr unseres Bildes, leitete der Künstler die Meisterklasse für Malerei an der Akademie der Bildenden Künste in Wien und prägte so nachfolgende Generationen junger Malerkollegen.

Obwohl Hollegha stets von einem konkreten Gegenstand, wie zum Beispiel einer Wurzel oder einer Pflanze, ausgeht, lassen sich beim fertigen Bild die Formen und Konturen seiner Inspirationsquelle höchstens noch erahnen. Hat er sich für ein Motiv entschieden, beobachtet er dieses konzentriert und versucht, die diesem innewohnende Bewegung zu erfühlen und seine subjektiven Wahrnehmungen und Empfindungen malerisch umzusetzen. Dabei vergrößert er kleinste Teile wie durch ein Mikroskop gesehen auf die Leinwand, was zu einer Monumentalisierung und Verfremdung führt. Weiche Flecken in leuchtenden Farben werden - auf den ersten Blick wie zufällig, tatsächlich aber genau geplant – aus kleinen Gefäßen geschüttet, mit weichem Tuch verwischt, nebeneinander auf die am Boden liegende Leinwand gesetzt und verteilen sich in mehr oder weniger fließenden Übergängen über den Bildraum. Hollegha verwendet speziell angemischte, dünnflüssige Farben, die auf der weiß grundierten Leinwand eine ganz besondere Leuchtkraft entfalten. Obwohl die Werke vollständig abstrakt sind, hat seine Malerei etwas Erdhaftes, Naturnahes.

„Hollegha lässt Mehrschichtigkeit zu, lässt Räumlichkeit entstehen – Tiefe, Dichte, Nähe und Ferne, ebenso wie die Durchdringung unterschiedlicher Maßstäblichkeit.“ (Günther Holler-Schuster in: Die Natur ist innen. Der Maler Wolfgang Hollegha. Ausstellungskatalog, Neue Galerie Graz, Universalmuseum Joanneum, Graz 2015/2016, S. 10) Es geht ihm dabei um einen Einklang von Innerem und Äußerem. Die Räumlichkeit im klassischen Sinne engt dabei ein, „die Transformation in den Prozess des Malerischen öffnet jedoch den Raum, erfüllt ihn mit Zeit“ ( Holler-Schuster, S. 10). Dieses Element wird noch verstärkt durch das Umkreisen der am Boden liegenden Leinwand durch den Künstler. Dieser baut seine Bildräume aus Licht und Farbe, ohne ein Oben und Unten, ohne ein Zentrum im eigentlichen Sinne. Der optische Eindruck wird in ein Spannungsverhältnis aus Licht und Raum übersetzt, aus Farben gebaut und auf seine ursprüngliche Essenz zurückgeführt. Hollegha erschafft so nicht weniger als die „Revolution des Bildraums“ (Robert Fleck in: Die Natur ist innen. Der Maler Wolfgang Hollegha. Ausstellungskatalog, Neue Galerie Graz, Universalmuseum Joanneum, Graz 2015/2016, S. 14). (Sophie Cieslar)