Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

05. Dezember 2017, 18:00 Uhr

0359

Fritz Wotruba*

(Wien 1907 - 1975 Wien)

„Karyatide“
1963
Bronze
H. 87 cm, B. 18 cm, T. 23,5 cm
Signiert und nummeriert: WOTRUBA (punziert), 2/7 (an der Plinthe, rechts)
Auflage: 2/7

Provenienz

aus dem Nachlass des Künstlers;
Erker-Galerie, St. Gallen;
dort im Dezember 1985 erworben, Privatbesitz Schweiz

Ausstellung

1964 New York, Marlborough-Gerson Gallery, 10. 03. - 04. 04., Abb. S. 30

Literatur

Jürg Janett (Hg.), Otto Breicha: Fritz Wotruba. Werkverzeichnis Skulpturen, Reliefs, Bühnen und Architekturmodelle, Erker-Verlag, St. Gallen 2002, WV-Nr. 257, Abb. S. 234 (Gipsmodell)

Echtheitszertifikat der Fritz Wotruba Privatstiftung, 12. Mai 2016, liegt bei.
Wir danken Frau Gabriele Stöger-Spevak für die wissenschaftliche Unterstützung.
Das Gussbuch der Arbeiten Wotrubas sieht für diese Arbeit eine arabisch nummerierte Auflage von sieben Güssen vor, ein weiterer unnummerierter Bronzeguss ist nachweisbar. Der Guss Nummer 2/7 ist entsprechend den Gussbuch-Angaben ident mit dem 1964 in der Wotruba-Einzelausstellung der Marlborough-Gerson Gallery in New York ausgestellten Exemplar.

€ 90.000

Fritz Wotruba gilt als einer der bedeutendsten europäischen Bildhauer der klassischen Moderne des 20. Jahrhunderts. Er entwickelte nach dem Krieg und seinem Exil in der Schweiz ab den späten 1940er Jahren ein persönliches Konzept der Abstraktion der menschlichen Figur mit Würfeln und Quadern, Röhren- und Zylinderformen. Gegen 1960 und in den Folgejahren wandte sich der Bildhauer verstärkt der Aufgabenstellung zu, Figur und Architektur formal zu verbinden und entwickelte eine Reihe von Stelen-, Säulen- und Pfeilerfiguren. Die „Karyatide“ ist ein signifikantes Beispiel dafür. Diese Arbeit verbindet die zylindrischen Bauelemente der Figuren Wotrubas der 1950er Jahre mit der neuen künstlerischen Konzeption des Bildhauers der 1960er Jahre, als er begann er, die Grundelemente der Figuren freier und ungegenständlicher einzusetzen. Die Bezeichnung dieser Stehenden als „Karyatide“ – jener griechischen Bauplastik in Form einer Frauenfigur, die als tragendes Element der Architektur fungiert – geht auf den Bildhauer persönlich zurück. Die Titelvergabe unterstreicht zusätzlich Wotrubas künstlerische Intention, Figur und Architektur einander durchdringen zu lassen. Sie ist ein Beispiel der seltenen individuellen Titelvergaben durch den Künstler und gilt als Ausdruck seiner besonderen persönlichen Wertschätzung für diese Arbeit. (Gabriele Stöger-Spevak)