Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

05. Dezember 2017, 18:00 Uhr

0234

Gerhild Diesner*

(1915, Innsbruck - 1995, Innsbruck)

„Vase mit Mohnblumen und Iris“
Öl auf Leinwand
89 × 80 cm
Signiert links unten: Diesner

Provenienz

direkt von der Künstlerin erworben;
Privatsammlung Südtirol

€ 40.000

Eine Sammlung von sechs Bildern der Innsbrucker Malerin Gerhild Diesner, die sich seit Jahrzehnten in privatem Besitz befanden und direkt von der Künstlerin erworben wurden, kann nun erstmals angeboten und publiziert werden. Die Bilder entstanden im Jahrzehnt zwischen 1965 und 1975.

Gerhild Diesner, „Grande Dame“ der Tiroler Malerei, hat in ihrem fast sechs Jahrzehnte dauernden Schaffen eine unverwechselbare wie unabhängige Position in der österreichischen Kunst des letzten Jahrhunderts eingenommen. Schon ihr Ausbildungsweg zeigt einen für die damalige Zeit untypischen Verlauf. In Genf, London und Brighton erhielt die 1915 in Innsbruck geborene Malerin ihren ersten künstlerischen Unterricht, dann folgte von 1939 – 1941 ein Studium an der Angewandten in München in der Abteilung Gebrauchsgraphik, bis sie 1943 für ein Jahr in Paris an der Academie Andre Lhote und an der Ecole de la Grande Chaumière studieren konnte. Nach Kriegsende bezog Diesner gemeinsam mit ihrem späteren Mann und Goldschmied Bodo Kampmann, dem Architekten Jörg Sackenheim und dem Zeichner Paul Flora ein Haus in Innsbruck. Später folgte sie ihrem Mann nach Remscheid, die Scheidung 1953 führte Diesner jedoch wieder nach Innsbruck zurück, wo sie bis zu ihrem Tod 1995 lebte.
In Tirol gehörte Gerhild Diesner zu jener neuen Avantgarde, die im Umkreis des engagierten französischen Kulturinstitutes an die internationale, respektive französische Moderne anschloss und eigenständig rezipierte. Aufträge für Kunst am Bau in den Jahren des Wiederaufbaus sowie regelmäßige Ausstellungen gewährten ein solides Einkommen und die notwendige positive Resonanz.

Gerhild Diesners Werk zeichnet sich durch eine für ihre Zeit singuläre farbkräftige Malerei aus, die großen Formlinien folgt. Matisse, Gauguin aber auch van Gogh stehen der Malerin als unleugbare Vorbilder Pate, genauso wie ein zutiefst lyrisches Empfinden maßgebend ist, das den Bildern ihren unverwechselbaren Charme verleiht.

Stillleben in allen Varianten ziehen sich als Hauptthema neben Landschaft und Natur durch ihr Werk, in denen mehr die Farbe Räumlichkeit schafft als die Anordnung der Dinge selbst. Während nach dem Krieg eine stärkere Flächigkeit und verhaltene Farben bemerkbar werden, findet Diesner in ihrem Spätwerk wieder zu der für sie so typischen lyrischen Heiterkeit zurück. „Instinktiv scheint die Malerin zu empfinden, dass ein Kreis sich zu schließen beginnt, dass ihr Bestes, die Kraft zu dichterischer Durchdringung der Wirklichkeit, die ihre frühen Bilder mit geheimnisvollem Leben erfüllt, in diesen neuen, bescheidenen Schöpfungen wieder zu fließen beginnt.“ (Wilfried Kirschl, zit. in Boeckl 2007, S. 60)