Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

05. Dezember 2017, 18:00 Uhr

0313

Wilhelm Thöny*

(1888, Graz - 1949, New York)

„Im Feld“
1917
Öl auf Leinwand
62 × 81 cm
Signiert, betitelt und datiert links unten: W. Thöny / Im Feld 1917

Provenienz

Hochzeitsgeschenk an die Eltern des jetzigen Besitzers (1946);
seither in Besitz der Familie, europäischer Privatbesitz

Literatur

Vergleiche: Christa Steinle / Günther Holler-Schuster (Hg.), Thöny. Im Sog der Moderne, Ausst.-Katalog Neue Galerie Graz, Universalmuseum Joanneum, 24. Mai - 22. September 2013, Tafel 23 ("Blick vom Autal bei Graz in Richtung Süden", 1917) sowie Tafel 25 und Tafel 26 ("Angriff des Regiments auf die Levespitze am 20. Mai 1916", 1917)

Wir danken für die freundliche Bestätigung und die wertvollen Hinweise von Anette Rainer, GrazMuseum.

€ 30.000

Wilhelm Thöny, einer der bedeutendsten österreichischen Maler der Zwischenkriegszeit, wurde 1888 in Graz geboren. Nach dem Studium an der Akademie der Bildenden Künste München etablierte er sich bereits 1912/13 als Porträtist und Illustrator und war an Ausstellungen der Neuen Münchner Sezession beteiligt. Während des Ersten Weltkrieges arbeitete Thöny unter anderem als Regimentsmaler. Nach Ende des Krieges kehrte er in seine Geburtsstadt Graz zurück, wo er 1923 Gründungspräsident der Sezession Graz, der wichtigsten Künstlervereinigung der Moderne in der Steiermark wurde. Er machte die Sezession zu einem Mittelpunkt des kulturellen Lebens und sorgte für internationale Kontakte. Wegen der politischen Radikalisierung ging er mit seiner jüdischen Frau Thea 1931 nach Frankreich, wo viele seiner bekanntesten Werke entstanden. 1937 wurde Thöny auf der Pariser Weltausstellung mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. Durch die politischen Verhältnisse genötigt, emigrierte Thöny mit seiner Frau nach Amerika, wo er erfolgreich an vielen Ausstellungen teilnahm. Nach dem Krieg war er Ehrenpräsident der Sezession Graz, kehrte aber nicht mehr zurück. Bei einem Brand in einem Lagerhaus in New York wurden 1948 fast 1000 seiner Werke vernichtet, darunter viele seiner Hauptwerke. Von diesem Verlust schwer getroffen, starb der Künstler 1949 in New York.

Von Jänner bis Mai 1917 wurde Thöny an der italienischen Front im Tonale-Abschnitt in der Kampfstellung des Regiments am Monte Zebio als Regimentsmaler des k.k. Schützenregiments Nr. 3 eingesetzt. In dieser Zeit entstanden Landschaftsbilder, Porträts, Szenen aus dem Alltag der Soldaten sowie Schlachtenbilder. Jene, die mit „W. THÖNY“ signiert, mit 1917 datiert und mit der Bezeichnung „im Felde“ oder „im Feld“ versehen wurden, verweisen darauf, dass sie nicht im Atelier, sondern im Hinterland der Front entstanden sind. Diese Bilder waren Auftragswerke, für die Ausschmückung der Offizierskasinos des Dreier-Schützenregiments sowie für eine Kriegsausstellung in Graz, deren Erlös dem Witwen- und Waisenfond des Regiments zugutekam. Die Bildmotive dienten auch als Vorlagen für Feldpostkarten.
Das vorliegende Landschaftsgemälde zeigt Ähnlichkeit mit der Landschaft auf dem großen Schlachtengemälde „Sturm auf die Levespitze“ aus dem Jahr 1917, welches sich heute in der Sammlung des GrazMuseums befindet. Im Gegensatz zum überwältigenden, fast bedrohlich anmutenden Bergmassiv des Schlachtengemäldes inszenierte Thöny das Landschaftsgemälde als winterlich idyllische Bergkulisse. In dieser, aber auch in anderen Darstellungen seiner Zeit als Regimentsmaler rückte Thöny die Landschaft ins Zentrum seiner Werke, was auch als Ausdruck seiner inneren Emigration und Distanzierung vom Krieg gedeutet werden kann. So stellte Thöny den Gedanken einer alles überdauernden Natur dem flüchtigen Moment des Krieges entgegen. (Annette Rainer)