Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

05. Dezember 2017, 18:00 Uhr

0350

Koloman Moser

(Wien 1868 - 1918 Wien)

„Blumen vor Gartenzaun“
1909
Öl auf Leinwand
51 × 50 cm
Signiert und datiert links unten: Kolo Moser 1909
Nachlassstempel rückseitig auf Leinwand
Nachlass-Nr. 31 rückseitig am Keilrahmen

Provenienz

aus dem Nachlass des Künstlers;
Dr. Erich Pressburger, Wien/San Francisco;
Privatbesitz, Wien;
Galerie Martin Suppan, Wien;
Sotheby's London, 23. 05. 2003, Nr. 215;
österreichischer Privatbesitz
Auktionshaus im Kinsky Wien, 24. 11. 2015, Nr. 23;
österreichischer Privatbesitz

Ausstellung

1920 Wien, Kunstverlag Wolfrum, Nachlass-Ausstellung Kolo Moser, 23. Nov. - 15. Dez., Nr. 31;
1979 Wien, Museum für angewandte Kunst, Koloman Moser, 18. 05. - 15. 07. 1979, Nr. 367;
1984 Mailand, Padiglione d'arte contemporanea, Kolo Moser - grafico e designer, 13. 06 - 15. 07. 1984

Literatur

Daniele Baroni/ Antonio D'Auria, Kolo Moser. Grafico e designer, Mailand 1984, Abb. S. 88;
Werner Fenz, Koloman Moser. Graphik, Kunstgewerbe, Malerei, Salzburg 1984, S. 260, Tafel 33;
Martin Suppan, Österreichische Kunst 19. und 20. Jahrhundert, Wien 1991, Kat.-Nr. 28;
Maria Rennhofer, Koloman Moser. Leben und Werk, Wien 2002, Abb. 344, S. 203;
Gerd Pichler, Koloman Moser. Die Gemälde. Werkverzeichnis, Wien 2012, WV-Nr. 37, Abb. S. 86

€ 100.000

Als Koloman Moser sich ab 1907 verstärkt der Malerei zuwandte, zählten Blumenbilder, neben Porträts und Landschaften, zu seinen bevorzugten Motiven. Im Mai 1911 zeigte er dann in der Wiener Galerie Miethke mit 53 Gemälden das bisherige Ergebnis seines malerischen Schaffens. Aus der zeitgenössischen Kritik lässt sich hohe Anerkennung für Mosers Gemälde ablesen. Der Kunstkritiker Karl Kutzmany urteilte: „Es gibt kaum ein Gebiet der angewandten Kunst, auf dem sich Moser nicht betätigt hätte, fruchtbringend und richtunggebend; [...] Nun sehen wir Moser nahe dem Urboden: In dem Studium der Natur, vor der Staffelei, die er immer öfter und lieber ins Freie stellt oder wenigstens nahe zum Fenster. Sonnenklare Farben sind das Leben dieser Porträts, Blumenstücke, Landschaften.“ Eines der bei Miethke gezeigten Blumenbilder könnte auch das vorliegende Gemälde gewesen sein, das in einem Jahr entstand, wo in Mosers Schaffen die künstlerische Auseinandersetzung mit Blumen dominierte. Interessant bei diesem Gartenstück ist der kompositorische Bildaufbau: Moser malt Blumen, die vor den vertikalen Holzlatten eines Gartenzauns wachsen. Die geometrische Ordnung des von Menschenhand geschaffenen Zauns setzt Moser effektvoll dem natürlichen Wuchs der Blumen gegenüber. Dieser reizvolle Kontrast in der Bildkomposition, entspricht übrigens einer Vorliebe Kolo Mosers, der gerne geometrische Hintergründe in seinen Bildern verwendete.

Wahrscheinlich handelt es sich bei dem dargestellten Garten um Kolo Mosers eigenen Garten auf der Hohen Warte in Wien. Dort schuf Josef Hoffmann 1900/01 unter anderem das Doppelhaus für seine Künstlerkollegen Kolo Moser (Steinfeldgasse 6) und Carl Moll (Steinfeldgasse 8/Geweygasse 13) mit rückseitigem Garten, der mit einem Lattenzaun eingefriedet war. Das Foto zeigt den Garten kurz nach der Errichtung des Hauses um 1901, also rund acht Jahre vor der Entstehung des Gemäldes. (Gerd Pichler)