Auktionshaus

Auktion: Gemälde des 19. Jahrhunderts

18. Oktober 2017, 17:00 Uhr

0604

Rudolf von Alt

(Wien 1812 - 1905 Wien)

„Der Hof des Dogenpalastes in Venedig“
1875
Aquarell auf Papier
40,5 × 53,5 cm
Signiert und datiert links unten: R. Alt 1875
Links unten nummeriert: 28348.

Provenienz

Albertina, Wien während des 2. Weltkrieges (bis 1950);
Rückstellung an die Erben von Bloch-Bauer in die USA (1950 - 1991);
Galerie C. Bednarczyk, Wien (1991);
Privatsammlung, Wien

Literatur

Walter Koschatzky, Rudolf von Alt, Salzburg 1975, AV 75/15;
Walter Walter Koschatzky, Rudolf von Alt. Aquarelle, Galerie C. Bednarczyk, Wien 1991, Abb. 18

€ 55.000

In den frühen 1870er Jahren reiste Rudolf von Alt fast jährlich nach Venedig, dessen Prachtbauten ihn trotz oder gerade wegen ihrer ungemein dekorativen und architektonischen Komplexität faszinierten. Da die Fassade des Markusdomes 1871 eingerüstet war, verlagerte er seinen Arbeitsplatz in den Innenhof des Dogenpalastes, der ihn bereits bei seiner ersten Reise 1833 zu Studien und in Folge zu mehreren Varianten angeregt hatte. Erst 1874 aber wählte er eine neue Perspektive, indem er sich weiter in die südliche Ecke des Platzes begab, von wo aus der Blick auf die Scala dei Giganti entlang der beiden Brunnen im Hof verlief. Dieses Blatt befindet sich heute in der Albertina in Wien (Inv.-Nr. 30.946; Koschatzyk 1975, AV 74/15) und stellt die deutliche Vorlage für das vorliegende, ein Jahr später entstandene Aquarell dar. Wie üblich zeichnet sich auch diese im Atelier komponierte Variante durch ergänzende Szenerien und Staffagen aus, die das reine Bild der Architektur lebendig bereichern.
Die vornehme Dame, die sich am Brunnen Wasser geben lässt und das Gestell mit den Wasserflaschen am Boden weisen z. B. auf die eigentliche Bedeutung der Brunnen als Wasserquelle für die venezianischen Haushalte hin. Links im Hintergrund ist auch noch eine Wasserträgerin zu sehen, eine Arbeit, die vor allem von Mädchen vom Festland durchgeführt wurde.
Der warme goldene Ton, der sich über die Fassaden mit ihrer wunderbaren Rhythmik legt, ergibt mit dem vom Sonnenlicht aufgehellten Blau des Himmels eine harmonische Zweifarbengruppe, deren Ruhe mit der unvergleichbaren Eleganz der Architektur korrespondiert. Die Leichtigkeit der Pinselführung, der reizvolle Gegensatz von präziser Linie und impressionistischer Spontaneität sind weitere typische Merkmale für das Spätwerk des Malers, in dem dieses Blatt eines der schönsten Exemplare darstellt.
Es war schon früh in die prominente Wiener Privatsammlung von Ferdinand Bloch-Bauer gelangt, wurde während des Krieges bis 1950 in der Albertina verwahrt und danach den Erben in den USA zurückgestellt. 1991 gelangte es in den Wiener Kunsthandel. (MHH)