Auktionshaus

Auktion: Gemälde des 19. Jahrhunderts

18. Oktober 2017, 17:00 Uhr

0626

Peter Fendi

(Wien 1796 - 1842 Wien)

„Rückenakt eines sitzenden Mädchens“
um 1840
Öl auf Leinwand
35 × 30 cm

Provenienz

Privatbesitz, Österreich

Literatur

vgl. Walter Koschatzky, Peter Fendi (1796-1842). Künstler, Lehrer und Leitbild, Salzburg/Wien 1995, S. 41, Nr. 26 (Abb.), S. 257;
Bruno Grimschitz, Die Altwiener Malerei, Wien 1961, Abb. 59

Expertise von Dr. Hubert Adolph, Wien, 25. Mai 1992, liegt in Kopie bei.

€ 20.000

Wenngleich sich Peter Fendi zeitlebens vornehmlich dem Aquarell widmete und Gemälde in Öl folglich in seinem Œuvre seltener zu finden sind, belegen diese nicht weniger eindrucksvoll das große malerische Talent des Künstlers – so auch der gegenständliche Akt eines jungen Mädchens.
Um 1840 entstanden, hat Fendi die junge Dame sitzend vor dunklem Hintergrund positioniert. Dem Betrachter den Rücken zuwendend, wird ihr Unterkörper nur von einem gelben Tuch umspielt, während ihr Blick nach links aus dem Bild zu schweifen scheint. Das braune Haar scheint beinahe mit dem Hintergrund zu verschmelzen, während das helle, feine Inkarnat von Gesicht und Körper mit diesem kontrastiert. Im Vordergrund setzt der Maler mit dem Tuch und der kleinen Pflanze noch farblich stimmige Akzente.

Fendi, einer der bedeutendsten Aquarellisten des Wiener Biedermeier, wurde 1796 in Wien als Sohn des Lehrers Joseph Fendi geboren. Sein zeichnerisches Talent brachte ihn bereits in jungen Jahren an die Wiener Kunstakademie, an der Fendi von 1810 bis 1813 unter anderem Schüler von Johann Baptist Lampi dem Älteren (1751-1830) war. Zu dieser Zeit erfolgten auch die ersten Aufträge des k. k. Münz- und Antikenkabinetts der kaiserlichen Kunstsammlungen, wo der Künstler ab dem Jahr 1818 als Zeichner und Kupferstecher beschäftigt war. Die folgenden Dienstreisen nach Salzburg und Venedig – mit dem Direktor des Kabinetts, Anton von Steinbüchel (1790-1883) – nutzte Fendi, um seine künstlerischen Fähigkeiten zu vertiefen und zu erweitern, wie seine beiden Skizzenbücher der Venedigreise in der Albertina Wien eindrucksvoll belegen.

Neben der Aquarellmalerei, befasste sich Fendi mit verschiedenen druckgraphischen Techniken, wobei seine Versuche mehrfarbige Lithographien anzufertigen, besonders hervorzuheben sind. Für den Wiener Hochadel war er vor allem als Porträtmaler tätig und mit seinen Genrebildern konnte der Künstler die Genremalerei als eigenständige Gattung im Wiener Biedermeier etablieren. Mit seinen künstlerischen Leistungen zählt Peter Fendi neben Ferdinand Georg Waldmüller (1793-1865) und Josef Danhauser (1805-1845) zu Recht zu den bedeutendsten österreichischen Malern der Biedermeierzeit. (BB)