Auktionshaus

Auktion: Alte Meister

18. Oktober 2017, 15:00 Uhr

0416

Marinus van Reymerswaele Nachfolger

(Reimerswaal um 1497 - 1567 Goes)

„Der heilige Hieronymus in seiner Studierstube“
Öl auf Holz, parkettiert
98 × 125 cm

Provenienz

Privatsammlung, Wien

Schätzpreis: € 15.000 - 30.000
Ergebnis: € 15.500
Auktion ist beendet.

Der heilige Hieronymus, einer der vier lateinischen Kirchenväter und Übersetzer der Bibel, bildet ein häufiges und beliebtes Bildmotiv, wobei sich für seine Darstellung als Einzelfigur zwei grundlegende Typen entwickelten: Zum einen der Typus als Eremit, zum anderen der hier gewählte als Gelehrter in seiner Studierstube, der seinen Ursprung in mittelalterlichen Autorenbildern und Kirchenväterzyklen hat. Weite Verbreitung fand diese Darstellungsform in der Renaissance, als Hieronymus im Zuge des Humanismus vor allem als Gelehrter verehrt wurde.

Wie für den Typus des Gelehrtenbildnisses gebräuchlich, wird der Heilige auch im gegenständlichen Gemälde als älterer, grauhaariger und bärtiger Mann in einer Stube wiedergegeben. Das Hauptaugenmerk der nahsichtigen Szene liegt dabei auf der Darstellung des Heiligen und seiner geläufigen Attribute, dem Raum wird lediglich durch die geöffnete Tür und dem Regal im Hintergrund eine gewisse Tiefe verliehen.
Umgeben von Büchern, Schriften und Schreibutensilien, die auf seine Bildung und Wissen und somit auf seine Tätigkeit als Bibelübersetzer und Autor verweisen, sitzt der Heilige vor seinem Pult, um sich der vor ihm aufgeschlagenen Schrift zu widmen. Die erloschene Kerze auf dem kleinen Regal sowie der Totenschädel auf dem Tisch mahnen an die Vergänglichkeit. Im Gegensatz zu vielen anderen Hieronymus-Darstellungen deutet der Kirchenvater jedoch nicht explizit mit seiner Hand auf den Schädel, sondern scheint sich vorsichtig darauf abzustützen. Weitere gebräuchliche Attribute bilden das Kruzifix und die rote Kardinalsrobe mit dem flachen Hut, der üblicherweise – wie auch hier – hinter Hieronymus an der Wand hängend dargestellt wird. Der zahme Löwe, das wohl wichtigste Attribut des Heiligen, blickt dem Betrachter rechts aus dem Dunkel entgegen.

Die vorliegende Komposition basiert auf einem Gemälde des flämischen Malers Marinus van Reymerswaele (um 1490 - um 1546), welches im zweiten Viertel des 16. Jahrhunderts entstanden ist. Nicht nur von van Reymerswaele und seiner Werkstatt wurde die Komposition mehrmals wiederholt bzw. aufgegriffen und abgewandelt, sondern diente auch anderen Malern, wie auch diesem Künstler, als Vorlage für das beliebte Bildthema.