Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

21. Juni 2017, 18:00 Uhr

0806

Franz Grabmayr*

(Pfaffenberg b. Obervellach/Kärnten 1927 - 2015 Wien)

„Blühender Baum“
1989
Öl auf Leinwand; ungerahmt
93 × 116,5 cm
Rückseitig signiert und datiert: Grabmayr 1989

Provenienz

2003 direkt beim Künstler erworben;
seither Privatbesitz, Wien

€ 28.000

Ohne ein Gefühl für Bewegung sind die Bilder Franz Grabmayrs nicht zu denken. Die Veränderlichkeit der Natur, das Werden und Vergehen, das Festhalten flüchtiger Momente gleichsam wie das Aufspüren von Prozessen der Veränderlichkeit, die Jahrzehnte, ja Jahrhunderte in Anspruch genommen haben – wie von Wind und Wasser geprägte Felsformationen oder langsam gewachsene Baumriesen –, stehen im Zentrum seiner Darstellungen. Wenn sich das Motiv nicht bewegt, tut dies der Künstler selbst um dieses herum. Legendär ist sein Traktoratelier, das ihm diese Beweglichkeit ermöglichte. Die Erde lebt, bleibt niemals stehen, verändert sich im Laufe der Jahreszeiten und Dezennien. Kaum einem Künstler ist es so gut gelungen, diese Veränderlichkeit auf die Leinwand zu bannen wie Franz Grabmayr. Seine Malweise, dieser pastose, heftig gestische Farbauftrag, der oft wie auf die Leinwand geworfen, wie hingeschleudert wirkt, beinhaltet dieses Moment der Bewegung und des ständigen Wachstums bereits.

Hier ist es ein blühender Kirschbaum, dessen weiße Pracht, das Zentrum des Bildes einnimmt. Die von der Üppigkeit schweren Äste reichen fast bis auf den Boden, wo junges Gras wie im Zeitraffer aus der Erde schießt. Wolken stieben über einen blauen Himmel, alles ist in Bewegung, nichts steht still. Aus der Farbe strömendes Licht und Energieflüsse bringen die Leinwand zum Vibrieren. Würde man den Kirschbaum auch ohne Bildtitel erkennen? Vermutlich nicht, aber stets bleiben „bestimmte Qualitäten, Stimmungen, Farbtemperaturen oder dem Gegenstand des Bildanlasses innewohnende Energien und Kräfte kenntlich“ (Klaus Albrecht Schröder, Franz Grabmayr, Ausstellungskatalog, Belvedere Wien 2002, S. 10). Intuitiv erfasst man, was leicht, was schwer, was heiß oder was kalt ist, welche Kräfte zu Ausdehnung und welche zu einer Verdichtung führen. In Grabmayrs Bildern liegt die Kraft der Natur, seine „Landschaften werden nicht aus Pigment gemalt, sondern aus Pigment gemacht.“ (Schröder, S 17) Des Künstlers Wesen ist das „haptische Empfinden, das materielle Empfinden, das Pastose.“ (http://www.franzgrabmayr.at/fs_kunst.html, Stand: 23.4.2017) (Sophie Cieslar)