Auktionshaus

Auktion: Gemälde des 19. Jahrhunderts

26. April 2017, 18:00 Uhr

0750

Anton Romako

(Atzgersdorf bei Wien 1832 - 1889 Wien)

„Pifferari, vor einem Muttergottesbild spielend (III)“
um 1860
Öl auf Leinwand
45,5 × 35,5 cm
Signiert und bezeichnet rechts unten: A. Romako. / Roma.

Provenienz

Auktion bei Christie, Manson & Woods, London, 17. Oktober 1958, Nr. 127;
Dorotheum Wien, 585. Kunstauktion, 16.-19. September 1969, Nr. 1202, Tafel XVII;
Dorotheum Wien, 591. Kunstauktion, 16.-19. März 1971, Nr. 110, Tafel XIX;
Privatsammlung, St. Moritz;
Christie's London, 11. Oktober 1995, Nr. 31 (Abb.);
Privatsammlung, Österreich

Literatur

Fritz Novotny, Wieder zum Vorschein gekommene Werke von Anton Romako, in: Mitteilungen der Österreichischen Galerie, Jg. 9, Nr 53, 1965, S. 35, WV-Nr. 67A, Abb. 32
Jörg Garms, Anton Romako a Roma, in: Der Außenseiter Anton Romako (1832-1889). Ein Maler der Wiener Ringstrassenzeit, Katalog Oberes Belvedere Wien, 1992, S. 44;
Cornelia Reiter, Anton Romako. Pionier und Außenseiter der Malerei des 19. Jahrhunderts. Monografie mit Werkverzeichnis, Belvedere Wien 2010, S. 123-124, WV-Nr. 93 (Farbabb.)

€ 15.000 - 30.000

Romako war einer jener österreichischen Künstler des ausgehenden 19. Jahrhunderts, die durch ihre Kunst das Publikum stark polarisierten. Seine Ausbildung erhielt er an der Wiener und Münchner Akademie. 1850 kehrte er zurück in seine Heimatstadt Wien und studierte bis 1853 an der Privatschule von Carl Rahl, wo er sich auf Historienmalerei spezialisierte. Im Streit trennte er sich von seinem Lehrer und verbrachte längere Zeit im Atelier von Carl Werner in Venedig. 1857 schließlich reiste er nach Rom, dort verbrachte er fast zwei Jahrzehnte. Diese Zeit war wohl die erfolgreichste und schönste in seinem Leben, sowohl privat als auch künstlerisch. Er gründete eine Familie und konnte sich als Künstler etablieren. Vor allem seine Genreszenen über das bäuerliche Milieu der römischen Campagna begeisterten sein internationales Publikum. Mit diesen Bildern feierte er Erfolge und sie brachten ihm finanzielle Sicherheit. 1876 erlebte der Künstler eine schmerzhafte Zäsur in seinem Leben. Seine Frau verließ ihn und er kehrte mit drei seiner insgesamt fünf Kinder zurück nach Wien. In dieser Phase änderten sich seine Bildthemen und er widmete sich Gesellschaftsbildern, die durch ihre psychologische Tiefe und technische Perfektion bestechen. Trotzdem fand er in Wien nicht jene Anerkennung wie in Rom und sein exzentrischer Malstil wurde nicht verstanden. Einen Misserfolg nach dem anderen musste der sensible Künstler in Wien verarbeiten. Finanziell ruiniert mit der Sorge um seine Familie wurde er zum ruhelos Reisenden, der sein Glück in Ungarn, Genf und Paris aber auch immer wieder in Rom, wo seine beiden jüngsten Töchter lebten, suchte. Als diese 1887 den Freitod wählten, war dies wohl einer der größten Schicksalsschläge für Romako, den er selbst nur zwei Jahre überleben sollte. 1889 starb der Künstler in Wien, einsam und von der Kunstwelt unverstanden.

Rund die Hälfte seines aktiven Künstlerlebens (von 1857-1876) verbrachte Romako in Rom. In dieser Zeit entstanden zahlreiche pittoreske Genreszenen mit Kostümfiguren, die vor allem bei Touristen beliebt waren. Auch vorliegendes Werk ist jener Gattung von Genrestücken zuzuordnen, die dem Künstler große Erfolge brachten. Die Tatsache, dass es von diesem Motiv, der vor einem Andachtsbild spielenden Musikanten und einer im Gebet vertieften Italienerin, mindestens noch drei weitere Fassungen (vgl. Reiter, WV-Nr. 83, 92, 233) gibt, zeugt von der Beliebtheit dieses volkstümlichen Sujets. (MS)