Auktionshaus

Auktion: Alte Meister

26. April 2017, 15:00 Uhr

0486

Francesco Rizzo da Santacroce

(aktiv ca. 1500 - 1545)

„Madonna mit Kind, hl. Hieronymus und hl. Katherina von Alexandrien“
Öl auf Holz
53,5 × 74 cm
Rückseitig alte Inventarnummer: M 246 / HM (in Ligatur) 246

Provenienz

Privatsammlung, Deutschland

Gutachten von Dr. Anchise Tempestini, Florenz, 13. Juli 1985, liegt bei.
Fotoexpertise von Hermann Voss, München, 16. März 1953, liegt bei.
Fotoexpertise von Georg Gronau, San Domenico di Fiesole, 31. Juli 1930, liegt bei.

Schätzpreis: € 15.000 - 30.000
Ergebnis: € 13.800
Auktion ist beendet.

Dieses in lichtdurchfluteter Atmosphäre erstrahlende Renaissancegemälde zeigt Maria mit dem Jesuskind vor einer Baumgruppe; zu ihren Seiten der Kirchenvater Hieronymus und die Heilige Katherina von Alexandrien. Die Landschaftskomposition und das leuchtende Kolorit sind charakteristisch für Francesco Rizzo da Santacroce. Der Künstler widmete sich mehrfach der Darstellung dieser Heiligenkombination, jedoch stets in neuen einfallsreichen Variationen.

So ist der Prototyp dieser Madonna mit Kind wohl in einer um 1490 von Giovanni Bellini (1430–1516) geschaffenen Komposition zu finden, von der heute zwei Exemplare – jeweils mit Johannes dem Täufer und der heiligen Anna – bekannt sind, welche sich heute im Städelmuseum, Frankfurt a.M., und im Palazzo Ducale (Galleria Nazionale delle Marche) in Urbino befinden.
Die Figur des ein Buch haltenden Hieronymus in kardinalrotem Gewand findet sich ebenso auf Francesco Rizzos Werk „Madonna mit Kind, heiligem Hieronymus und heiliger Katherina von Alexandrien“ im Walters Art Museum, Baltimore (vgl. Federico Zeri, Italian Paintings in the Walters Art Gallery, Baltimore 1976, S. 265f.). Ein weiteres Gemälde desselben Sujets in der Pinacoteca dell’Academia Carrara, Bergamo, stellt zwar den hl. Hieronymus im Typus barhäuptig, ohne Kopfbedeckung dar, zeigt jedoch große Nähe zu der besonders lieblichen Darstellung der heiligen Katherina von Alexandrien.

Der aus Bergamo stammende und in Venedig tätige Francesco Rizzo war neben Palma il Vecchio (1480–1528) und Andrea Previtali (1480–1528 ) der Hauptschüler von Francesco di Simone da Santacroce (1470/75–1508). Er übernahm nach dessen Tod nicht nur das Atelier seines in Santa Croce (San Pellegrino Terme, bei Bergamo) stammenden Meisters, sondern auch dessen Beinamen.
Während Georg Gronau und Hermann Voss eine Entstehung um 1500/10 annehmen, hält Dr. Anchise Tempestini vorliegendes Gemäldes für ein charakteristisches Werk aus der Reifezeit des bis in die 1540er Jahre aktiven Künstlers.