Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

30. November 2016, 18:00 Uhr

1058

Hermann Nitsch*

(Wien 1938)

„Schüttbild“
1963
Öl auf Leinwand; gerahmt
105,5 × 80 cm
Rückseitig signiert und datiert auf der Leinwand: hermann nitsch 1963

Provenienz

Privatbesitz, Österreich

€ 75.000

Ein frühes Schüttbild des österreichischen Aktionskünstlers Hermann Nitsch, das durch den expressiven Farbauftrag charakterisiert ist und dessen mit hellroter Farbe begossene und bespritzte Leinwand Ausdruck eines hochritualistischen und emotionalen Malvorgangs ist. Der Künstler deutet das Leben als Passion, den Malprozess als verdichtetes Leben und damit als Inbegriff der Passion. Es geht ihm um eine Katharsis, eine seelische Reinigung durch Ausleben von Emotionen, und das sinnliche Erleben verschiedenster Substanzen und Flüssigkeiten.
Die Malerei des 1938 in Wien geborenen Hermann Nitsch ist dem Informel verpflichtet. Sie folgt dem Gesetz des Tachismus, demzufolge er spontane Empfindungen und das Unbewusste durch Verschütten, Verspritzen und Verschmieren von Farbe, beziehungsweise später auch Blut, auf die Leinwand darstellt. Die unmittelbare Malarbeit hat die Auseinandersetzung mit der Farbe zum Thema, die vom flüssigen bis zum pastosen Zustand zur Anwendung kommt. Sie wird mit den bloßen Händen verschmiert oder auch durch Wälzen des Körpers in der Farbe auf der Leinwand verteilt. Hermann Nitsch verlässt bereits in den frühen 60er-Jahren die herkömmliche Darstellungsebene eines Bildes und betreibt die Malerei als etwas Emotionales, Rituelles und Elementares. (Clarissa Mayer Heinisch)