Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

30. November 2016, 18:00 Uhr

1019

Elke Silvia Krystufek*

(Wien 1970)

„Josef, Yusuf, Bas“
2006
Acryl auf Leinwand; ungerahmt
200 × 300 cm
Rückseitig bezeichnet, signiert und datiert: "Josef, Yusuf, Bas", Elke Krystufek, 2006

Provenienz

Privatbesitz, Wien

Ausstellung

2006 Wien, MAK

Literatur

Peter Noever (Hg.), Liquid Logic. The Height of Knowledge and the Speed of Thought, Ausstellungskatalog, MAK, Wien 2006, Abb. S. 26/27

Schätzpreis: € 30.000 - 60.000
Ergebnis: € 30.000
Auktion ist beendet.

„Liquid Logic“ lautet der Titel der Krystufek-Personale im MAK im Jahr 2006, wo die großformatige, expressive Malerei „Josef, Yusuf, Bas“ zu sehen war. Der eigenwilligen, dialektischen Kombination – dem von der „Kontextualisierungskünstlerin“ (Peter Noever in: Liquid Logic. The Height of Knowledge and the Speed of Thought, Wien 2006, S.7) trashig collagierten, narrativen Porträt-Ensemble mit einem Pabst, einem Musiker und einem Künstler – liegt das Paradoxon der heutigen Informationskultur zugrunde: öffentlich und zugleich verschleiert. (vgl. hierzu: Roel Arkesteijn in: Elke Krystufek, Dorit Margreiter, Franziska und Lois Weinberger. Österreich Pavillon. 53.Internationale Kunstausstellung. La Biennale di Venezia 2009, Köln 2009, S.31) Was wissen wir über das Gesehene?
Über einen längeren Zeitraum beschäftigt sich die österreichische Künstlerin Elke Krystufek mit dem Künstler Bas Jan Ader, der 1975, während seiner als Kunstprojekt angelegten Atlantik-Segelreise, spurlos verschwindet. Mit expressiver Verzweiflungsgeste zieht der hier Dargestellte die erhöhte Aufmerksamkeit des Betrachters auf sich. Es ist das zur Ikone avancierte, weinende Antlitz des Künstlers aus dessen Kurzfilm von 1971 „I am too sad to tell you“, das Krystufek mit gewohnt lockerer Manier in Malerei überträgt. Sie dreht zudem einen B-Movie-artigen Film über den Künstler –„Dr. Love on Easterisland“. Darin widmet sie sich einem fiktiven Aufenthalt des Verschollenen auf den Osterinseln und übernimmt als „She-Bas“ die Hauptrolle, lässt die Künstleridentitäten verschwimmen, sich verlieren und im Anderen „Zu-Sich-Selbst-Kommen“ (Peter Noever in: Liquid Logic. The Height of Knowledge and the Speed of Thought, Wien 2006, S.9).
Einen Identitätswechsel und ein Sich-Neu-Erschaffen als Anderer par excellence bewerkstelligt der dem Betrachter mit starrem Blick zugewandte porträtierte Musiker Cat Stevens: Er konvertiert 1977 zum Islam und nimmt den Namen Yusuf Islam an. Die Figur des Pabstes hingegen vollzieht den Akt der Ver-Wandlung symbolisch im (chinesischen) Zeichen der Liebe (zur Religion).
Neben historischen Persönlichkeiten, Politikern, Wissenschaftlern und Künstlern porträtiert Krystufek auch Personen aus ihrem Privatleben – ihren Vater, Freunde, Liebhaber und ihren Lehrer Arnulf Rainer. Dabei bringt sie nicht nur das althergebrachte System „malender Mann-weibliches Modell“ zu Fall, macht den Mann zum Objekt des „female gaze“, hinterfragt traditionelle Machtstrukturen und spielt mit Rollenklischees, sondern übersetzt darüber hinaus ihre eigenen Wünsche und Ängste auf die männliche Körperoberfläche, ist weibliches Maler-Subjekt und Bild-Objekt hinter der jeweiligen männlichen Maske zugleich. Krystufeks Blick auf das „männliche „Andere“ (Xabier Arakistain in: Elke Krystufek, Dorit Margreiter, Franziska und Lois Weinberger. Österreich Pavillon. 53.Internationale Kunstausstellung. La Biennale di Venezia 2009, Köln 2009, S.20) entpuppt sich gleichzeitig als eine Suche nach und ein Untersuchen des Ich, sowie menschlicher Verhaltens- und Befindlichkeitscodes im Allgemeinen. (Isabell Kneidinger)