Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

29. November 2016, 18:00 Uhr

0247

Anton Mahringer*

(Neuhausen 1902 - 1974 St. Georgen/Gailtal)

„Schneelandschaft in Labientschach“
1938-40
Öl auf Leinwand
68 × 88,5 cm
Signiert und datiert links unten: Anton Mahringer 38/40
Rückseitig altes Ausstellungsetikett

Provenienz

Hassfurther Wien, 30. 05. 2007, Nr. 79;
österreichischer Privatbesitz

Ausstellung

1941 Salzburg, Große Kärntner Kunstschau

Literatur

Gerbert Frodl, Mahringer, Wien 2004, WV-Nr. 1938/40 246, Abb. S. 295

€ 77.000

Die Malerei Anton Mahringers ist untrennbar mit der Landschaft des Kärntner Gailtales verbunden. Am Schnittpunkt dreier Kulturen gelegen, aber nur geringfügig vom Einfluss des Menschen geprägt, hat diese Region mit ihren vielfältigen Naturformen und charakteristischen Lichtverhältnissen einen besonderen Reiz auf den Künstler ausgeübt, sodass der gebürtige Schwabe sie zu seinem Lebens- und Arbeitsmittelpunkt erkor. Aus einem reichhaltigen Repertoire an Motiven schöpfte er unermüdlich und wählte daraus seine bevorzugten Themen, wovon man in seinem Oeuvre zwei wesentliche Gruppen unterscheiden kann. Einerseits gibt es Sujets, mit denen sich Mahringer dauerhaft immer wieder auseinandersetzte, andererseits Motive, die sich aufgrund biografischer Gegebenheiten zeitlich begrenzen lassen und somit nur in einer bestimmten Werkphase anzutreffen sind. Zu der letztgenannten Kategorie zählen auch seine Ansichten von Labientschach.
Labientschach ist eine kleine Siedlung zwischen Nötsch und St. Georgen, liegt also bereits hoch über dem Tal auf einem den Gailtaler Alpen vorgelagerten Plateau und bietet eine beeindruckende Sicht auf die Bergketten der Karnischen und Julischen Alpen. Mahringer, der nach seinem Romaufenthalt 1931 den Entschluss gefasst hatte, sich im Gailtal niederzulassen, fand hier seinen ersten Wohnort. Der Blick von einem Platz nördlich des Dorfes hinunter auf das Konglomerat der Gehöfte bis zu den fernen Gebirgszügen inspirierte ihn zu einer Serie von Darstellungen, die zwischen 1936 und 1942 entstanden ist und die Szenerie, wie für den Maler ganz typisch, während der verschiedenen Tages- und Jahreszeiten festhielt.
Die "Schneelandschaft in Labientschach" zeigt anschaulich Mahringers stilistische Entwicklung in dieser Schaffensphase. Die noch Anfang der 30er Jahre präsente, starke Farbigkeit ist einer hellen transparenten Palette mit gleichmäßigem, lasierendem Auftrag gewichen. Der Maler widmet sich intensiv der Lichtführung und dem Zusammenwirken von Farbe und Licht, wobei er an atmosphärischer Stimmung und räumlicher Tiefenwirkung gewinnt. Diese bedeutende Erweiterung seiner künstlerischen Gestaltungsmittel ist zweifellos auf den Kontakt zu Franz Wiegele zurückzuführen, der Mahringer in dieser Hinsicht ein richtungsweisendes Vorbild war. (Sigrid Diewald)