Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

30. November 2016, 14:00 Uhr

0485

Mario Decleva*

(Lussingrande 1930 - 1979 Wien)

„Langes Neujahrsbild (Komposition 1956/1)“
1956
Öl auf Jute; gerahmt
30,5 × 75 cm
Signiert und datiert rechts unten: Decleva 56/1

Provenienz

österreichische Privatsammlung

Schätzpreis: € 3.000 - 6.000
Ergebnis: € 3.000
Auktion ist beendet.

„Die verborgenen Bilder lese ich in den Steinen. Ich suche sie in den Schichten der Felsen und in den Wellen des Meeres. Der Wind treibt mich zu ihnen hin und der Regen wäscht sie mir rein. Die Luft ist erfüllt mit magischen Zeichen, die Wolken schließen sie ein […].“
Diese Zeilen Mario Declevas beleuchten geradezu programmatisch sein bildnerisches Werk. Die Natureindrücke, insbesondere der istrischen Karstlandschaft, bilden einen elementaren, verbindenden Moment in seinem gesamten Schaffen, wenn sie auch in den frühen Arbeiten nicht unmittelbar erfahrbar sind. Seine Werke sind vorwiegend im Ungegenständlichen verhaftet, wobei ab etwa 1965 die existentiellen Naturbegegnungen als figurative und naturhafte Formen in eine immer noch abstrakt wirkende Kunst transponiert werden.
Das Bild „Komposition 1956/I“ ist eindrucksvolles Beispiel eines frühen, abstrakten Werkes, in dem Declevas Auseinandersetzung mit avantgardistischen, konstruktivistischen Bildvorstellungen greifbar wird, wobei er das geometrische Gefüge gleichzeitig wieder durch sehr frei eingesetzte Farbflächen bricht.
Die gezeigten Papierarbeiten, ab 1964 entstanden, stehen dagegen in einem Spannungsverhältnis von Abstraktion und gegenständlichen Momenten. Die Formen der südlichen Landschaft, wie Fels, Karst, Meer und Vegetatives, werden in diesen Bildern aufgenommen, verwandelt und in den Zeichnungen mit rascher Strichführung realisiert.
Die abstrahierten Landschaftselemente schichten sich zu organischen Felsfigurationen, die wie symbolhafte Erscheinungen anmuten. In der Arbeit „Figur und Schatten“ von 1972 erscheinen sie gar als existentielle Chiffre. Reales und Scheinwelt werden eins. Die Naturlandschaft Istriens und der darin eingebettete Mensch werden zum zentralen Motiv. Die naturhaften Figurationen stehen metaphorisch für die innere und ursprüngliche Verwandtschaft von Mensch und Natur, deren Einheit Decleva in seinen Bildern beschwört.
(Johanna Langfelder-Hain)

1 Mario DECLEVA, o.T. („Die verborgenen Bilder...“), 1954 (unveröffentlicht, Original im Nachlass
Mario Declevas).