Auktionshaus

Auktion: Gemälde des 19. Jahrhunderts

19. Oktober 2016, 17:00 Uhr

0935

Albrecht Adam

(Nördlingen 1786 - 1862 München)

„Soldaten auf der Straße nach Lianvawitschi, 14. August 1812 (Russlandfeldzug Napoleons)“
1838
Öl auf Leinwand
71 × 96 cm
Signiert und datiert links unten: A Adam / 1838.

Provenienz

Privatbesitz, Wien

Literatur

vgl. Albrecht Adam. Voyage pittoresque et militaire de Willenberg en Prusse jusq‘à Moscou fait en 1812, München 1827, Nr. 48 (Abb.)

€ 30.000

Vor allem seit der Französischen Revolution und dem Ersten Kaiserreich erfuhr die Schlachtenmalerei eine besondere Blüte. In einer solchen Ära kriegerischer Auseinandersetzungen war es besonders wichtig die militärischen Ereignisse, vor allem aber die Erfolge zu dokumentieren. Auch der 1786 geborene Albrecht Adam sah in der Militär- und Schlachtenmalerei gute berufliche Chancen, weshalb er seine ursprünglich begonnene Lehre als Zuckerbäcker früh beendete. Nachdem er 1808 die Akademie in Wien besuchte, nahm er sogar 1809 als Augenzeuge an den Schlachten von Aspern und Wagram im Gefolge österreichischer und bayerischer Heerführer teil. In seiner 1886 erschienenen Autobiographie nahm er genau dazu Stellung und erzählte wie damit sein Wunsch, Augenzeuge bei einer großen Schlacht zu sein, in Erfüllung gegangen sei, aber die erschütternden Szenen dieses Verlangen bereits gestillt haben (siehe Albrecht Adam, Aus dem Leben eines Schlachtenmalers. Stuttgart 1868). Später trat Adam in den Dienst Eugène de Beauharnais (Herzog von Leuchtenberg), dem Stiefsohn Napoleons und Vizekönig von Italien, den er 1812 im Russlandfeldzug begleitete, wo Eugène Oberbefehlshaber der französisch-italienischer Truppen war. Adams Aufgabe war es das Kriegsgeschehen festzuhalten und zu dokumentieren. Seine Erfahrungen verarbeitete er in zahlreichen Kriegs- und Schlachtendarstellungen, sowie in einem lithographischen Prachtband unter dem Titel „Voyage pittoresque et militaire de Willenberg en Prusse jusq‘à Moscou fait en 1812“ aus den Jahren 1827-1828.

In vorliegendem Werk aus dem Jahr 1838 schöpfte Albrecht Adam aus seinen in den Schlachten gesammelten Motivschatz. Als Vorbild diente ein Stich aus "Voyage pittoresque", welcher mit einigen Änderungen in ein Ölbild umgesetzt wurde. Dargestellt ist eine Marschkolonne des VI. Armee-Korps auf dem Weg nach Lianvawitschi am 14. August 1812. Soldaten und Zivilisten sind zu Fuß oder zu Pferd unterwegs und in den Fuhrwerken transportieren sie Lebensmittel und Tiere. Ein Pferdewagen wird von einem westlich gekleideten Mann mit Zylinder gelenkt, dem Gefährt folgen zwei Damen zu Pferd, hier handelt es sich wohl um einen Marketenderwagen, da er auch noch einen Packesel mitführt. Adam ließ mit äußerster feinmalerischer Präzision den Betrachter am Geschehen teilhaben. Die Darstellung wirkt wie eine wahrheitsgetreue Dokumentation; ein Eindruck, der vor allem durch die genaue Schilderung der Details hervorgerufen wird. Bereits zehn Jahre zuvor beschrieb Adam in seiner Publikation „Voyage pittoresque et militaire“ ebendiese Episode des Feldzugs: "Von Surash bis Smolensk durchzogen wir fünf bis sechs Tage lang schöne, fruchtbare Gegenden, welche von Wohlhabenheit zeugten; prachtvolle, üppige Kornfelder, schöne Wiesengründe, Obst, Vieh- und Bienenzucht, alles gedieh hier in reichstem Maße. … Von den zum Theil hitzigen Gefechten, in welche die am Dnieper aufwärts nach Smolensk marschierende russische Armee mit den in Hast und Eile sie verfolgenden französischen Korps unter Murat und andern Heerführern verwickelt wurde, bekam ich nichts zu sehen. Prinz Eugen und seine Armee nahm an ihnen keinen Antheil. Ruhig und von nichts als der peinlichen Hitze belästigt, zogen wir über Hügel und Ebenen, durch Feld und Wald getrost mit neuer Hoffnung auf eine rasche, glückliche Wendung der Dinge Smolensk zu und gelangten in dessen Nähe zu Mitte August."