Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

08. Juni 2016, 18:00 Uhr

0915

Hans Bischoffshausen*

(Feld am See/Kärnten 1927 - 1987 Villach)

„Erhellung der Magie“
1959
PVC auf partiell grundierter Jute, gelocht; gerahmt
84 × 50 cm
Rückseitig bezeichnet am Keilrahmen: Bischoffshausen, Erhellung der Magie, Bild 39./1959
Rückseitige Künstleretikette

Provenienz

Privatbesitz, Österreich

Literatur

Arnulf Rohsmann, Bischoffshausen. Struktur - Monochromie - Reduktion, Klagenfurt 1991, Abb. S. 64

€ 55.000

Hans Bischoffshausens Werk erschließt sich in seiner Bedeutung erst im internationalen Kontext. Seine Wurzeln reichen zurück bis zur Methodik und Theorie der Künstlergruppe Abstraction-Création im Paris der 1930er Jahre. Künstler wie Antoine Pevsner, Naum Gabo, Kurt Schwitters und Auguste Herbin haben hier Grundsteine zur ungegenständlichen Kunst gelegt. Aus ihren Errungenschaften gehen Richtungen wie Nouveau Réalisme und die Arte Povera hervor. Nicht zu unterschätzen ist auch die Verwandtschaft mit Lucio Fontanas „Concetto spaziale“, in dem Malerei und Skulptur als sich frei entfaltende, unbegrenzte Kontinuen betrachtet werden. Ihn bezeichnet der Künstler bereits 1956 als seinen wichtigsten Geistesverwandten, war mit ihm befreundet und stellte mit ihm gemeinsam aus. Wie Fontana perforiert Bischoffshausen die zumeist monochromen Bildflächen, um Plastizität zu erreichen, die Zweidimensionalität zu durchbrechen und eine Synthese von Farbe, Klang, Bewegung, Zeit und Raum zu erreichen. Das Bild wird zum Objekt, der Bildraum statt fiktiv physisch erlebbar.

1957 findet eine erste Personale in der Galleria del Cavallino in Venedig statt. Bischoffshausen knüpft Kontakte zu den wichtigsten Avantgardekünstlern und lernt im Folgejahr den Kunstkritiker Pierre Restany kennen, dessen Name eng mit dem Nouveau Réalisme verknüpft ist. 1959, im Entstehungsjahr unseres Bildes, gewinnt er den gut dotierten Joanneumspreis und entschließt sich nach Paris zu übersiedeln. In dieser Zeit schließt er sich auch der Künstlergruppe ZERO an, die 1958 von Heinz Mack und Otto Piene in Düsseldorf gegründet worden war. Die Nachkriegskunst sollte von allem Ballast befreit gleichsam wieder bei Null (ZERO) beginnen. Gleichzeitig sollte eine Alternative zu den dominanten Kunstrichtungen Tachismus und Informel geboten werden. Wichtige Künstler wie Yves Klein, Piero Manzoni oder Antoni Tàpies gehören der Bewegung an und schaffen ein internationales Netzwerk. Diese Zeit bezeichnet Hans Bischoffshausen selbst als den wichtigsten Abschnitt in seinem Schaffen.

Es geht um eine Kunst der Meditation und Stille, mit einer Neigung zum Magischen, die schon im Titel der 1959 entstandenen Serie „Erhellung der Magie“ zum Tragen kommt. Die Jute wird durchlöchert, mit Feuer verbrannt, an manchen Stellen zart geweißt, als würde hier ein Lichtstrahl auftreffen. Es werden Momente der Stille und Leere bewusst in die Komposition eingebaut. Die rhythmisch angeordneten Perforierungen der Leinwand muten wie ein Morsecode einer uns unbekannten Sprache an. Mit dem Vorwurf konfrontiert, dass das, was er mache, das Ende der Malerei sei, antwortet er: „Sie irren sich, hier beginnt die moderne Malerei überhaupt erst. Monochromie ist eine Erscheinungsform des Lichtes, die gemeinsam mit Energie und Materie eine Einheit bildet“ (Andrea Schurian, 21.10.2015, derstandard.at/2000024290902/Ich-treibe-die-Askese-des-Weiss-bis-zum-Ende). Das Loslösen von jeglichem Abbildhaften bringt eine Öffnung der Bildfläche für neue Fragestellungen. (Sophie Cieslar)