Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

07. Juni 2016, 18:00 Uhr

0269

Josef Stoitzner*

(Wien 1884 - 1951 Bramberg im Pinzgau)

„Tauernlandschaft“
um 1935
Öl auf Hartfaserplatte
70 × 100 cm
Signiert rechts unten: Josef Stoitzner.
Rückseitig bezeichnet: "Tauernlandschaft" / Prof. Josef Stoitzner, Wien

Provenienz

österreichischer Privatbesitz

€ 25.000 - 50.000

Josef Stoitzner ist für seinen äußerst präzisen, detailreichen und höchst anspruchsvollen, bisweilen grafisch anmutenden Malstil bekannt. Stilistisch nimmt der Künstler, dessen Wurzeln im Secessionismus des angehenden 20. Jahrhunderts liegen, die Prinzipien der Neuen Sachlichkeit vorweg. Thematisch ist er der Landschaftsmalerei verpflichtet, den Schönheiten der Natur und der stillen Ursprünglichkeit des bäuerlichen Lebens. Sein vielfach lyrischer Zugang zur Malerei und der stete Versuch, die Seele der Natur im Bild festzuhalten, wird vielfach mit der Kunst Giovanni Segantinis verglichen.

Die Landschaft der Hohen und der Niederen Tauern, die sich über vier Bundesländer erstrecken, sind schon im Frühwerk, in den vor 1920 entstandenen Holzschnitten, Thema beeindruckender Bildkompositionen. Wir blicken über einen am vorderen Rand im Schatten liegenden Feldweg hinweg über einen steil abfallenden Hang mit mehreren ländlichen Wirtschaftsgebäuden, der in eine durch Felder, weitere Stadel und Bauernhäuser gegliederte Ebene ausläuft. Ein eigentümliches Licht hat das ganze Bild erfasst, gleichmäßig leuchtet es die gesamte Fläche aus, von nur wenigen Schattenzonen unterbrochen. Auffallend sind der hohe Horizont, der dem Himmel keinen Raum lässt, und die unglaubliche Tiefenschärfe, mit der Josef Stoitzner jedes noch so kleine und weit entfernt liegende Detail im Bild erfasst hat. Der Bildausschnitt scheint willkürlich, wenngleich er doch sorgsam ausgewählt ist: „Der Ausschnitt (wird) meist sehr knapp begrenzt… und erscheint dadurch bis zum Rand gefüllt. Im Vergleich zu einer konventionellen Bildkomposition hat man immer den Eindruck einer Detailansicht. Auch wenn die Motive von allen Seiten angeschnitten werden, der ausschnitthafte Charakter ganz offensichtlich ist, verbieten es andererseits die ausgewogenen Verhältnisse innerhalb des Bildganzen, von einem zufälligen Blickwinkel zu sprechen.“ (Nikolaus Schaffer, Die Kraft der Klarheit, in: Erich Marx, Peter Laub (Hg.), Josef Stoitzner. 1884 – 1951, Salzburg 2010, S. 20)

Die Landschaften Josef Stoitzners sind stets menschenleer, wenngleich dieser doch in Form von Bauten und präzise angelegten Feldern und Gärten Spuren hinterlassen hat. Reizvoll ist der Kontrast aus einem streng linearen Gerüst, das mit einer markant-pastosen Pinselsprache verbunden wird. Der Künstler bevorzugt das Tonige, die Erdfarben, der Buntfarbigkeit des Expressionismus kann er nichts abgewinnen, ebenso wenig wie dem Skizzenhaften, nur flüchtig Angedeuteten. So führt seine Liebe zu jedem noch so kleinen Detail zu einer All-Over-Malerei. „Wir finden keinerlei Unschärfen, nichts wird vernachlässigt, so als würde der Maler ein ausgeprägter Gerechtigkeitssinn davon abhalten, sich über diese oder jene Einzelheit zugunsten einer Schwerpunkte bildenden, akzentuierenden Gesamtwirkung hinwegzusetzen.“ (Schaffer, S. 19) (Sophie Cieslar)