Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

24. November 2015, 16:00 Uhr

0028

Erich Heckel*

(Döbeln 1883 - 1970 Radolfzell)

„Drei Frauen am Wasser“
1923
Holzschnitt auf Papier, handkoloriert
39,8 × 32 cm (Darstellungsgröße), 58 × 45,2 cm (Blattgröße)
Signiert und datiert rechts unten: Erich Heckel 23
Im Werk-Archiv, Nachlass Erich Heckel, sind 4 kolorierte Abzüge registriert.

Provenienz

österreichische Privatsammlung

Literatur

Annemarie und Wolf-Dieter Dube, Erich Heckel. Das graphische Werk, Band I Holzschnitte, Hamburg 1974, S. 29, Nr. 338 I A

Wir danken Hans Geissler und Renate Ebner, Nachlass Erich Heckel, für die freundliche Unterstützung. Der vorliegende Abzug wird in das dortige Werk-Archiv aufgenommen.
Das Werkverzeichnis (Dube 1974) nennt für diesen Holzschnitt zwei Zustände, wobei der vorliegende Abzug dem ersten Zustand zuzuordnen ist.

€ 16.000

So wie seine Kollegen Ernst Ludwig Kirchner, Karl Schmidt-Rottluff und der weniger bekannte Fritz Bleyl, die allesamt in Dresden Architektur studierten, war auch ihr Studienkollege Erich Heckel als Maler und Graphiker Autodidakt. Vor 110 Jahren, am 7. Juni 1905, gründeten sie gemeinsam die Künstlergemeinschaft „Die Brücke“, der nur wenig später Emil Nolde und Max Pechstein beitraten. Gemeinsames Band aller war deren Abkehr von Romantik und den überholten Akademismen des 19.Jahrhunderts. Auch der ganz junge Jugendstil, der außer in Glasgow, Wien, Paris, Nancy, Barcelona und Brüssel auch in Darmstadt ein maßgebendes Zentrum besaß, war den deutschen Rebellen und ihrer wilden Malerei offensichtlich zu verspielt und elegant, um dort anzudocken. Was sie wollten, war ein radikaler Neuanfang, ein schon damals utopisches Zurück zur Natur,
noch am ehesten vergleichbar den Pariser Fauves, angeführt von Derain und Matisse.

Heckel, der zu den wesentlichen Wegbereitern des Deutschen Expressionismus zählt und die Prinzipien der Stilrichtung über seine späte Lehrtätigkeit an der Akademie in Karlsruhe hinaus (1949 – 1955) bis an sein Lebensende hoch hielt, vereint in dem vorliegenden Blatt sämtliche Stil-und Kompositionsprinzipien des Expressionismus zu beeindruckender Einheit. Sein Zurück zu Ursprung und Natur findet hier ein Pendant zu den Statuetten und Holzschnitzereien der Afrikaner, die auch für die Geburt des von Picasso und Braque um 1906/07 entwickelten Kubismus eine Maß und Anhalt gebende Rolle spielten.

Im vorliegenden Abzug mit sicherer Hand austariert und kraftvoll in den Holzstock geschnitten, demonstriert der in heller, feiner Kolorierung offensichtlich als Unikat vorliegende Abzug, die makellose Meisterschaft eines Künstlers, der eineinhalb Jahrzehnte nach dessen Entstehung wie viele andere Neuerer seiner Generation als „Entarteter Künstler“ gebrandmarkt und von den Nationalsozialisten mit Malverbot belegt wurde.
Stellung und Introvertiertheit der drei, nur scheinbar zwanglos gruppierten Akte in vermuteter Nähe zu den Moritzburger Seen, dem beliebten Ausflugs- und Ferienort Heckels und seiner Freunde, fängt die mit zügiger, kraftvoller Umrisslinie gezeichnete Studie im Freien zwanglos ein. Es sind die Lauterkeit, handwerkliche Kongenialität und anziehende Nähe zur Natur, denen das Blatt seine Standfestigkeit, herbe Lyrik und zeitlose Schönheit verdankt. (P e t e r B a u m)