Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

26. November 2015, 15:00 Uhr

0819

Hermann Nitsch*

(Wien 1938)

„Schüttbild (16. Malaktion)“
1983
Dispersion auf Jute
200 × 300 cm
Rückseitig am Keilrahmen nummeriert: 8/83

Provenienz

1983 direkt in Prinzendorf bei Hermann Nitsch von Kurt Kalb erworben; seit 1990 österreichischer Privatbesitz

Wir danken Herrn Kurt Kalb für die Bestätigung der Authentiziät dieser Arbeit und die freundliche Unterstützung!
Die Arbeit ist der Nitsch-Foundation bekannt.
Auf Wunsch des Käufers kann die Arbeit von Prof. Hermann Nitsch kostenpflichtig nachsigniert werden. Wir bedanken uns bei der Nitsch-Foundation für die Zusammenarbeit im Vorfeld!

€ 35.000

In der Entwicklung der abstrakten Kunst der Nachkriegszeit spielt das Informel eine wichtige Rolle. Das in den Vordergrundtreten der Farbe als konkrete Substanz, die zur Gestaltung auf die Leinwand aufgebracht wird – getröpfelt, gespritzt, gespachtelt oder geschmiert – ist wichtige Voraussetzung für neue gestalterische Möglichkeiten. Dabei spielt auch das Freisetzen emotionaler Vorgänge unter Ausschaltung des angelernten Intellekts eine große Rolle. Die Aktion des Malens an sich gewinnt an Bedeutung. „viele maler stellten ihre arbeiten in einem tatsächlich empfundenen (sinnlichen) erregungs- und entäußerungszustand her, der positiv registrierende Zuschauer kann das erregende des entstehungsprozesses formal erfassen... ein elementar sinnliches empfinden wurde für die kunst dienstbar gemacht.“ (Hermann Nitsch, in: Nitsch. Eine Retrospektive. Werke aus der Sammlung Essl, Ausstellungskatalog, Klosterneuburg 2003/2004, S. 134)

Für Hermann Nitsch spielt diese Sinnlichkeit des Malprozesses eine wesentliche Rolle, ebenso wie eine Beteiligung des zuschauenden Publikums. Die Malaktionen des Künstlers weisen bereits in Richtung Orgien-Mysterien-Theater, wo er Theater, Musik, Performance, Malerei mit kulinarischen Genüssen und unter Beteiligung mehrerer Akteure, vor Publikum über mehrere Tage hinweg zelebriert. In den reinen Malaktionen wird das Beschütten von senkrechten Flächen mit Farbe oder anderen Substanzen, die dann nach unten ausrinnen oder auch noch mit dem Pinsel aufgespritzt werden zum Grundritual. „ich wollte zeigen, wie das verschütten, verspritzen, verschmieren und verplanschen von roter Farbflüssigkeit beim beschauer sinnlich-intensive erregung hervorrufen kann, zu sinnlich-intensivem empfinden auffordert“, so der Künstler (s.o., S. 136). Dabei spielt auch die Farbe Rot eine wesentliche Rolle. Eine Farbe, die für die Liebe, für Ekstase gleichermaßen steht, wie für Leid und Schmerz, die Farbe des Blutes, als Sinnbild für Leben und Tod und somit Symbol der gesamten Bandbreite der menschlichen Empfindungen und Regungen. Vorliegendes Schüttbild ist auf der 16. Malaktion im Sommer 1983 in Prinzendorf entstanden. (Sophie Cieslar)