Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

06. Oktober 2015, 14:00 Uhr

0402

Markus Prachensky*

(Innsbruck 1932 - 2011 Wien)

„Korsika Bebop“
2008
Acryl auf Leinwand
150 × 110 cm
Signiert und datiert rechts unten: Prachensky 08
Rückseitig signiert, datiert und bezeichnet: Markus Prachensky 2008 "Korsika Bebop - 2008"

Provenienz

Privatbesitz, Österreich

€ 25.000

Über viele Jahrzehnte sammelte Markus Prachensky auf seinen Reisen Chiffren und Rhythmen aus Landschaften und Monumenten aus aller Welt, die den Künstler des Informel zu Serien und Variationen inspirierten, deren Titel sich auf die jeweilige Destination beriefen.
Der Aufenthalt auf Korsika im Jahr 2007 führte im folgenden Jahr zur Serie „Korsika Bebop“, die Markus Prachensky 2009 in der Galerie Ulysses präsentierte. In der Edition Hilger erschienen in jenem Jahr zwei Lithographien aus dieser Serie.
Schnelle, flüchtige Kürzel der zerklüfteten Insel mit ihrer wechselvollen Geschichte und zweigeteilten Identität in der „Lebensfarbe“ Prachenskys, dem Rot, verbunden mit dem tiefen Blau, das um die Mittelmeerinsel beobachtet werden kann, werden dem Titel „Korsika Bebop“ gerecht. Die in den 1940er Jahren entstandene Musikrichtung des Jazz, Bebop, ist durch ihren intellektuellen Zugang mit schnellen Tempi, großer rhythmischer Freiheit, abgerissener Phrasierung und ausgedehnter Improvisation charakterisiert. Genauso ließe sich auch die Handschrift Prachenskys in dieser Serie beschreiben. Atemlos schnell, eruptiv und spritzig setzt er das vor Ort Wahrgenommene später im Atelier als Nachklang und Essenz um.
Das von Stürmen gezeichnete, zerklüftete Korsika aus Granit und Schiefer, das immerhin fünfzig Zweitausender vorweisen kann und bis heute für Stolz und Freiheitsdrang steht, beeindruckte Prachensky mit seinen geologischen Strukturen und der Wildheit seines Wesens. Der expressive zackige Gestus, der durch das Rot als aufgeladenes Element eine furiose Note erhält, wird durch das stabile Kürzel in Blau, einem Pausenzeichen gleich, für einen Moment scheinbar gekühlt.
1956 fand Markus Prachensky zu seinem Stil des Informel, 1959 im Theater am Fleischmarkt durch die Performance „Peinture Liquide“ auf den Punkt gebracht, als er eimerweise rote Farbe auf eine großformatige Leinwand schüttete. Die Reduktion einerseits auf den persönlichen Gestus, andererseits auf die eine, extrovertierteste aller Farben ergibt die Quintessenz des abstrakten Expressionismus seiner Eigenart. Zu diesem Wesentlichen als Motiv und Motivation kamen später einige, sehr wenige andere Farben, die dem Rot assistierten. Otto Mauer beschreibt diese Konstellation im Jahr 1960 in seiner Eröffnungsrede der Galerie St. Stephan: „Das dialektische Gegenüber schärft den Blick für das, worauf es ankommt, die Grundmelodie und den ihr innewohnenden Rhythmus.“ (Otto Mauer, zitiert nach: Markus Prachensky, Ausst. Kat., Kunstverein Hannover, Hannover 1970, S. 54). (Claudia Lehner-Jobst)