Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

12. Mai 2015, 17:00 Uhr

0031

Rudolf Wacker

(Bregenz 1893 - 1939 Bregenz)

„Stillleben mit Lampe, Muschel, Puppe und Hinterglasbild“
1925
Öl auf Leinwand
64 × 47 cm
Signiert und datiert links unten: R. Wacker 25

Provenienz

Prof. Georg Ligges, Bregenz (direkt vom Künstler als Geschenk erhalten); Erben nach Georg Ligges; von Letzteren vor etwa 20 Jahren erworben, seither österreichischer Privatbesitz

Literatur

Max Haller, Der Maler Rudolf Wacker 1893 - 1939. Biografie mit dem Oeuvre-Katalog des malerischen Werkes, Lustenau 1971, WV-Nr. 16 (o. Abb., falsche Maßangabe); Bregenzer Kunstverein (Hg.), Rudolf Wacker und Zeitgenossen. Expressionismus und Neue Sachlichkeit, Ausstellungskatalog Bregenzer Kunstverein, Kunsthaus Bregenz 1993, Nr. 101, Abb. S. 98 (falsche Maßangabe)

€ 75.000

Rudolf Wacker hatte in seinem Atelier eine Fülle von Gegenständen angehäuft, die seine künstlerische Fantasie anregten: alte Heiligenfiguren, Hinterglasbilder, Puppen und anderes Spielzeug, Streichholzschachteln, Kerzen, Kinderzeichnungen, Krüge und Vasen, Bücher und Zeitschriften oder auch Mineralien. Dieses bunte Sammelsurium aus musealen Kunstgegenständen und alltäglichen Dingen bot ihm ein reiches Motivrepertoire, auf das er in seinen Gemälden rekurrieren konnte.
Auch das beziehungsreiche Arrangement des vorliegenden Stilllebens besteht aus Bildelementen, die man - verschieden kombiniert - von anderen Bildern Wackers kennt: auf einer leicht schräg gestellten Tischplatte präsentiert Wacker eine bizarr geformte Muschel, eine Schachtel mit Spielkarten und eine Öllampe, in deren Glas die Umgebung reflektiert wird. Dahinter zieht eine stehende Puppe in blauem Kleid und mit Zipfelmütze den Blick auf sich: seltsam belebt, scheint sie auf die Blumen im farbig dekorierten Henkelkrug zu starren. Als Bild-im Bild-Motiv wählt Wacker ein Hinterglasbild mit der Darstellung der Hl. Katharina. Begrenzt wird der enge Bildraum von einem drapierten, quer gestreiften Tuch - auch dieses taucht auf zumindest einem weiteren Stillleben jener Zeit auf.
Die zentrale Rolle, die das Genre des Stilllebens in Wackers Malerei spielt, geht aus einer Tagebuchnotiz des Malers deutlich hervor: "Die Proportionen eines Stillebens können trotz Einhalten natürlichen Maßstabes ins Irreale übergehen. Dinge können riesengroß und winzig werden - das Bild enthält ihren Maßstab. Stilleben erlauben uns mehr Freiheit als Landschaften oder Porträts, weil wir da schon bei der Zusammenstellung des Vorwurfs dabei sind, Baumeister von Anfang an. Es ist gut, dass es in der Stille des Ateliers geschieht. (…) Unsere Stilleben sind etwas Neues (…) Die Realität ist phantastisch genug und ohne unsere Zutat voll grotesker Sprünge. … (Rudolf Wacker, Tagebuchnotiz, Juni 1929)
(CMG)