Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

25. November 2014, 15:00 Uhr

0103

Otto Rudolf Schatz*

(Wien 1900 - 1961 Wien)

„New York“
1936/37
Öl auf Leinwand
140 × 176 cm
Signiert links unten: O. R. Schatz

Provenienz

im Kinsky, Auktion am 19. 06. 2007, lot 135; europäische Privatsammlung

Literatur

Dietrich Kraft, Matthias Boeckl, Otto Rudolf Schatz 1900 - 1961, mit einem vorläufigen Werkverzeichnis, Weitra 2010, Abb. S. 135 sowie S. 204

Das Gemälde wurde von Cornelia Cabuk für das Werkverzeichnis Otto Rudolf Schatz in der Reihe der Belvedere Werkverzeichnisse dokumentiert.

€ 55.000

Im Dezember 1934 heiratet Otto Rudolf Schatz Valerie Wittal, die aus einer vermögenden jüdischen Familie stammt. Davor lebt der Künstler in eher bescheidenen Verhältnissen. Er hat sich zwar als Buchillustrator und Maler mit Ausstellungen im Hagenbund und in Otto Kallir-Nirensteins Neuen Galerie einen Namen gemacht, der Verdienst bleibt trotzdem bescheiden. Jetzt ist es ihm mit Unterstützung des Schwiegervaters möglich, auch große Reisen zu unternehmen. Im November 1936 besteigt das junge Ehepaar ein Schiff und reist nach New York, wo es bis ins Frühjahr 1937 bleibt.

Die auf der Reise entstandenen Werke werden nach der Rückkehr sehr erfolgreich in Wien gezeigt. Man spürt die Faszination für die Architektur der Wolkenkratzer, aber auch ein wenig den sozialkritischen Geist, der Otto Rudolf Schatz Zeit seines Lebens innewohnt. Dicht an dicht reihen sich die Häuser in Midtown Manhattan, kaum bleibt Platz für die engen Straßenschluchten, auf denen man sich in der Stadt bewegen kann. Mit roter Farbe hebt der Künstler diese hervor, wie Adern, die Verkehr und Bewohner durch die Metropole pumpen, wenngleich man weder Mensch noch Fahrzeug sehen kann. Hauptprotagonist ist die Metropolis mit den Skyscrapern als Ikonen der modernen Großstadt.

Nach einer Werkphase, die der Neuen Sachlichkeit zugerechnet wird, kehrt Schatz vor allem in seinen Städte- und Landschaftsbildern der 1930er Jahre zu einem expressionistischen Malstil zurück. Dieser ist allerdings aufgelockerter, ähnlich dem Werk Wilhelm Thönys, mit grafischen Elementen versetzt. So gliedert er mit gelblich-weißen Linien die Fassaden der Hochhäuser. In der Farbigkeit ist Otto Rudolf Schatz allerdings viel gedeckter und toniger als sein Grazer Malerkollege. Aus der Vogelperspektive gesehen liegt New York vor dem Betrachter, die Hochhäuser wachsen zur Bildmitte hin buchstäblich in den Himmel. Das Zentrum als höchster Bau bildet das Empire State Building. Im Hintergrund glitzert das Wasser der Upper Bay und des Hudson Rivers. Beeindruckend ist dieses Städtebild, mit dem sich Otto Rudolf Schatz zu den bedeutendsten, österreichischen Malern seiner Generation reiht. (Sophie Cieslar)