Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

25. November 2014, 15:00 Uhr

0020

Rudolf Wacker

(Bregenz 1893 - 1939 Bregenz)

„Stilleben mit Engel“
1933
Öl auf Holz
60 × 75 cm
Signiert und datiert rechts unten: R. Wacker 33
Rückseitig signiert, datiert und bezeichnet: B 75 H 60 / Rudolf Wacker / Bregenz / 1933 / "Stilleben mit Engel"

Provenienz

österreichischer Privatbesitz

Literatur

Max Haller, Rudolf Wacker 1893 - 1939, Biografie mit dem Oeuvre-Katalog des malerischen Werkes, Lustenau 1971, WV-Nr. 261 (o. Abb.)

€ 180.000

Rudolf Wackers Atelier kam einem Museum gleich. Hier befanden sich jene Versatzstücke, die im beziehungsreichen Spiel seiner Stillleben die Rolle von Akteuren übernahmen: alte Kunstgegenstände wie ein barocker Engel oder alte Heiligenfiguren, Spielzeug aus Wackers Kindheit, Streichholzschachteln, erloschene Kerzen, Kinderzeichnungen, alte Krüge und Vasen, Bücher und Zeitschriften, Mineralien und Muscheln. Dieses Sammelsurium von Gegenständen regte Wackers künstlerische Fantasie an und bot ihm ein vielfältiges Motivrepertoire, auf das er in seinen Stillleben zurückgreifen konnte.

Das hier präsentierte "Stilleben mit Engel" aus dem Jahr 1933 zeigt Bildelemente, die auch auf anderen Gemälden dieser Zeit auftauchen: den Barockengel, die graue Vase und die Kinderzeichnung einer toskanischen Landschaft hat Wacker mehrfach dargestellt. Auf einer aufgeklappten Tischplatte präsentiert er wenige, kompositionell ausgewogen platzierte Bildgegenstände, die am elegisch-melancholischen Grundtenor des Bildes keinen Zweifel lassen: Verwelkte ausgetrocknete Blätter, ein vom verdorrten Zeig gefallener Blütenkelch der Lampionblume, eine Vase, deren gebrochener Hals die Spuren der Zeit in sich trägt und einen Putto mit lädierten, seltsam schwarz gefärbten Beinstümpfen und einem wie mahnend erhobenen Zeigegestus der linken Hand - das sind eindringliche Symbole für das Verrinnen der Zeit und die Vergänglichkeit des Seins.
Vor dem Hintergrund einer sich schmerzlich zuspitzenden politischen Lage, aber auch eines schlechten Gesundheitszustands des Malers gewannen Allegorien der Vergänglichkeit in den dreißiger Jahren an Bedeutung in Wackers Œuvre. Blumen hatten in seiner Symbolik der Vergänglichkeit einen besonderen Stellenwert: "Verdorrte Sträuße. (…) Sie haben nicht die gleißenden, aufdringlichen Farben frischer Blumen, stiller sind sie, wie aus Staub aufglimmend. Es liegt eine unbemerkte Schönheit in diesen im Sterben erstarrten Formen und nachglühenden Farben. Sie haben ihre sinnliche Üppigkeit verloren und - Symbole des Welkens und Vergehens, sind sie doch reich noch von den Spuren des Lebens und voller Bedeutung…" (aus dem Tagebuch von Rudolf Wacker, 10. 11. 1934).
Allein die grüne Flasche mit der Aufschrift "Fixatif" scheint den Memento-Mori-Gedanken des Stilllebens ironisch zu brechen: wie die an der Wand hängende Kinderzeichnung ist sie ein selbstreflexiver Verweis auf die Tätigkeit des Malers. Wacker, der meinte, man solle die Welt mit den sensiblen Augen eines Kindes wahrnehmen, fand großen Gefallen an der unverfälschten kindlichen Kreativität. Er sammelte Kinderzeichnungen - nicht nur jene seines Sohnes - und integrierte sie als "Bild-im-Bild"-Zitate in viele seiner Stillleben. Künstlerisch waren diese Bilder im Bild eine besondere Herausforderung, konnte er hier doch seine maltechnische Versiertheit mit perfekten Trompe l'œil-Effekten unter Beweis stellen. Wackers akribische Malweise der dünnen Lasuren und fein nuancierten Farbflächen verleiht dem Dargestellten besondere Ausdruckskraft und umgibt dieses Stillleben mit magischem Zauber. (CMG)