Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

26. November 2014, 15:00 Uhr

0413

Markus Prachensky*

(Innsbruck 1932 - 2011 Wien)

„Umbria Cantata 9“
1987
Öl auf Leinwand
165 × 120 cm
Signiert und datiert rechts unten: Prachensky 89
Rückseitig bezeichnet und datiert: Umbria Cantata - 9 - 1987

Provenienz

Aus einer österreichischen Sammlung

 € 28.000

Markus Prachenskys Malspuren des breiten Pinsels sind gebündelt, zentriert, kompakt geschnürt zu impulsiven Kraftzentren, die sich koloristisch entladen und den Bildraum dynamisch erfüllen. Prachenskys rote Markierungen auf schwarzem Grund der 1950er-Jahre sind zum Avantgarde-Image geworden, als Sinnbild für Modernität und Fortschritt, als Zeichen für die Befreiung der Malerei von den alten verkrusteten Konventionen in Österreich. Los von Wotruba, Boeckl und Kokoschka, dem Strohkoffer mit all seinen fabulierenden Fantastereien im überbunten Schatten von Hieronymus Bosch. Kraftzentrum dieser Avantgardebewegung war die Galerie St. Stephan unter Monsignore Otto Mauer. 1960 malte Prachensky auf der großen Wand des ersten Galerieraums ein zehn Meter breites Leinwandbild – Rouge sur blanc – St. Stephan. Eine körperliche Abarbeitung, eine Amplitude des reinen Gestus. Ein Jahr zuvor ließ Prachensky der Farbe freien Lauf, als er in der Malaktion Peinture Liquide am Wiener Fleischmarkt die monumentalen Leinwände mit Farbkübel begoss. Serielle Kaskadenläufe, die das Bild zum Atmen bringen, in Nachbarschaft zu den lyrischen Schleierbildern von Morris Louis. Ebenso ein Proto-Schüttbild für die bald darauf folgenden Aktionsmalereien von Hermann Nitsch. Prachensky ging es trotz aller aktionsgeladener Impulsivität immer um die Malerei selbst; um kompakte Kompositionen, um das Vibrato der Farbe. (Florian Steininger)