Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

07. Oktober 2014, 16:00 Uhr

0308

Franz West*

(Wien 1947 - 2012 Wien)

„o.T.“
zweite Hälfte der 1980er Jahre
Papiermaché
H. 42 cm (mit Sockel), B. 35 cm, T. 35 cm

Provenienz

Privatsammlung, Wien

Registriert: Franz West Privatstiftung Archiv, Wien

€ 45.000

Mit seinen Objekten und Skulpturen entwickelte Franz West seine eigene Arbeitsweise. Die Oberfläche seiner Objekte sind bewusst nicht perfekt bearbeitet, sondern mit allen Mängeln einer Haut drücken sie der jeweiligen Farbe ihren Stempel auf. In der heutigen Zeit stellt sich auch immer die Frage, welche Art von künstlerischer Tätigkeit vom Meister selbst ausgeht. Bei Franz West kann man von einem Original ausgehen – nur die Metallarbeiten wurden von Assistenten ausgeführt.

In den Siebzigerjahren bekam Franz West mit seinen Passstücken internationale Anerkennung. Diese dreidimensionalen Objekte aus Papiermache und Gips können für sich alleine wirken oder aber von jedem, der sie in die Hand nimmt selbst als Ausdrucksmittel verwendet werden. Je nach dessen Verhaltensweise nahm das Passstück immer wieder einen anderen Bezug zum Menschen. So gesehen wurde auch der Mensch zum „lebenden Modell“. Warum nennt man sie Passstücke? Ursprüngliche waren diese Objekte zum Angreifen gedacht, die der Künstler modellierte und den sich bewegenden Menschen „verpasste“.

Harald Szeemann schrieb in diesem Zusammenhang einmal: „West visualisiert in diesen Skulpturen Körperneurosen“. Da die Passstücke im Sinne von West ursprünglich an den Körper angepasst wurden, wirken sie auch auf Darstellungen dieser Aktionsfotos wie Prothesen.
Die aktive Teilnahme des Betrachters spielt im Werk von West eine große Rolle, dem das Haptische näher stand als ein ausgestelltes Objekt auf einem Sockel. Seine barocke Formensprache assoziiert etwas Unfertiges und unterscheidet sich bewusst vom perfekten Kunstwerk anderer Künstler.
Franz West, ist im Karl-Marx-Hof aufgewachsen, wo er auch sein erstes Atelier hatte. Der Vater war Kohlenhändler und die Mutter jüdische Zahnärztin. Als Schüler von Bruno Gironcoli stand er damals zwei gegensätzlichen Kunstströmungen gegenüber: Der intellektuellen Wiener Gruppe (daher das Interesse an Wittgenstein) und auf der anderen Seite der Wiener Aktionismus. Umso beachtlicher ist es, dass er seinen eigenen Weg gefunden hat und mit seinem Werk eine spezifische Position in der Kunst einnimmt. (Charlotte Kreuzmayr)