Auktionshaus

Auktion: Gemälde des 19. Jahrhunderts

24. Juni 2014, 16:30 Uhr

0338

Carl Moll*

(Wien 1861 - 1945 Wien)

„Großes Stillleben mit Fasanen, Austern, Quitten und Zinngeschirr“
1893
Öl auf Holz
80,5 × 64,5 cm
Signiert und datiert links unten: C. Moll 1893

Provenienz

Galerie Welz, Salzburg, 23. August 1975; Privatbesitz, Österreich

€ 25.000 - 50.000

Im umfangreichen Oeuvre Carl Molls nehmen Stillleben einen eigenen, konsequent durchgeführten Themenkomplex ein. Stilistische Entwicklungen und malerische Überlegungen lassen sich an diesen deutlich verfolgen.

Die frühesten bekannten Stillleben entstanden im Zeitraum zwischen 1889 und 1893, also noch während seiner Zeit als Schüler und Vertrauter des Landschaftsmalers Emil Jakob Schindler bis knapp ein Jahr nach dessen Tod. Diese Werkphase zeichnet sich durch zumeist ungewöhnlich große Formate sowie durch eine gezielte Auseinandersetzung mit dem Kontrast von dunklem Kolorit zu hell beleuchteten Bildflächen. Die Künstlichkeit der phantasievollen Arrangements von heimischer Jagdbeute, farbkräftigen Früchten, metallisch glänzendem Geschirr und exotischen Meerestieren steht in deutlichem Widerspruch zu den Landschaftsbildern, die er direkt vor der Natur malte. Stillleben entstanden daher vermutlich in den Wintermonaten in Wien, die Landschaften im Sommer in Plankenberg. Und während bei letzteren Schindler das maßgebende Vorbild war, setzen die Stillleben eine intensive Auseinandersetzung mit der niederländischen Malerei des 17. Jahrhunderts voraus.

Dem stillen Dasein der Objekte malerisches Leben einzuhauchen ist eine der reizvollsten Herausforderungen der Malerei. Moll stellt sich ihr im Bewusstsein der Tradition und mit dem Blick eines modernen Malers, wofür das angebotene Gemälde ein wunderbares Beispiel bietet. Es entstand 1893, möglicherweise kurz vor seiner Abreise nach Lübeck und setzt diesem künstlerischen Abschnitt einen Endpunkt. Wie zufällig scheinen die Dinge dazuliegen und sind doch wohl überlegt ausgesucht: es geht um unterschiedliche Oberflächen, matt, glänzend, Federn und Textilien sowie um kräftige Farbkontraste, die Moll vor allem auch durch die Reduktion auf nur drei Töne erreicht. Erdige Farben neben leuchtendem Gelb und blendendem Weiß erfordern eine fein differenzierte Malweise, um Raum, Lebendigkeit und Spontaneität überzeugend und genußreich zu suggerieren. (MHH)