Auktionshaus

Auktion: Alte Meister

24. Juni 2014, 18:00 Uhr

0431

Alberto Carlieri

(Rom 1672 - um 1720)

„Antike Architektur mit dem Urteil König Salomos“
um 1705
Öl auf Leinwand
74 × 98 cm

Provenienz

Privatbesitz, Wien

Wir danken Prof. David Marshall, Melbourne, für die Bestätigung des Gemäldes als eigenhändiges Werk von Alberto Carlieri und seiner Hilfe bei der Erstellung des Katalogtextes (anhand professioneller Fotos). / We are grateful to Prof. David Marshall, Melbourne, for confirming the painting as a work by Alberto Carlieri and for his help preparing this catalogue entry (on the basis of professional photographs).

€ 7.000 - 14.000

Geboren in Rom erhielt Alberto Carlieri seine Ausbildung zunächst bei Giuseppe Marchi. Sein Können verfeinerte er dann jedoch als Schüler von Andrea Pozzo, dem Spezialisten für Trompe-l’œil-Kuppelfresken, welcher auch das Deckenfresko im Herkulessaal des Liechtenstein'schen Gartenpalais in Wien schuf. Stilistisch stehen seine Gemälde den Werken der Architektur- und Ruinenmaler Giovanni Ghisolfi, Niccolò Codazzi und dem frühen Giovanni Paolo Panini nahe. Im Gegensatz zu einigen seiner Kollegen führte Alberto Carlieri auch die Staffageszenen selbst aus, was seinen Werken einen einheitlich, stilistisch stimmigen Eindruck verleiht. Das vorliegende Gemälde ist sowohl thematisch als auch kompositorisch mit einem in München befindlichen Gemäldepaar Alberto Carlieris besonders vergleichbar (Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München, Inv.-Nr. 7438). Die Münchner Gemälde zeigen die alttestamentarischen Szenen des „Urteil König Salomos“ und „Esther vor Ahasver“ ebenfalls eingebettet in eine antike Palastarchitektur. So findet sich beispielsweise der architektonische Aufbau des Throns von Ahasver in der rechten Bildhälfte auch in vorliegendem Gemälde wieder. Die gekonnt gestalteten ionischen Kapitelle sind bei beiden Werken ebenfalls ident. Das vorliegende Gemälde unterstreicht, dass im Zentrum von Alberto Carlieris Schaffen die Architektur stand, welche dann bewusst mit mehrfiguren Szenen inszeniert wurde. Betont wird der Charakter der Architektur als antiker Palast durch die Struktur des monumentalen Raums mit Triumphbogenmotiv und erhabenem Ausblick, den grün leuchtenden, wohl bronzenen Statuen der „Prudentia“ und der „Justitia“, und nicht zuletzt auch durch die königliche alttestamentarische Figurenszene. (KS)