Dieses Exponat war Teil der Sommerauktion vom Do, 25. Juni 2020.
Archiv: Lot 1206 zoom

1206

Egon Schiele

Weiblicher Akt

Schätzpreis € 70.000 - 140.000

Meistbot € 180.000
(ohne Aufgeld)
  • Detailbild 1: Kat. 1206
  • Detailbild 2: Kat. 1206
  • Detailbild 3: Kat. 1206
  • Detailbild 4: Kat. 1206

Egon Schiele

(Tulln 1890-1918 Wien)
Weiblicher Akt, 1912
Bleistift auf Papier; 47,5 x 30,9-31,4 cm
Signiert und datiert rechts oben: Egon / Schiele / 1912
Rückseitig mit Bleistift handschriftliche Vermerke: von Frau Roessler als Geschenk erhalten 15.1.1923 / vom Vater, Josef Riedl, als Geschenk erhalten 22.2.1958 / Meiner Tochter Barbara May 2003 vom Väterchen
Provenienz
Ida und Arthur Roessler, wohl direkt vom Künstler erworben;
Josef Franz Riedl, von Ida Roessler am 15.1.1923 als Geschenk erhalten;
Rupert Riedl, von seinem Vater Josef Riedl am 22.2.1958 als Geschenk erhalten;
Barbara Riedl, 2003 von ihrem Vater Rupert Riedl erhalten;
österreichischer Privatbesitz
Literatur
Die Zeichnung wurde von Jane Kallir mit der Nummer D. 1053a in den Nachtrag des Werkverzeichnisses aufgenommen.


Wie auf der Rückseite des Blattes notiert, erhielt der österreichische Bildhauer Josef Riedl (1884-1965) diese Zeichnung Schieles von Ida Roessler, der Frau des bekannten Kunstkritikers Arthur Roessler, im Jänner 1923 als Geschenk. Arthur Roessler war ein wichtiger Förderer und Freund Egon Schieles und bekam die Zeichnung wohl direkt vom Künstler. Die Roesslers pflegten neben Schiele auch gute Kontakte zu anderen Künstlern, darunter auch Josef Riedl. Schieles Zeichnung blieb seit 1923 über viele Jahrzehnte in Besitz der Familie Riedl.

1912 lässt sich im Werk Egon Schieles eine wesentliche Änderung im Zeichenstil erkennen. Schiele bedient sich eines härteren Bleistifts, sein Strich wird lockerer und heller, zartere Linien entstehen. Seine Hand führt den Stift mit Schnelligkeit über das Blatt und fängt die Konturen des weiblichen Aktes mit großer Sicherheit ein. Das Gesicht des sitzenden Aktes ist vom Haar verdeckt, als ob das Modell den Kopf zur Seite wendet und über die linke Schulter blickt, während Schieles rascher Zeichenstift den Moment der Bewegung einfängt. Die in sich gedrehte Haltung der Frau mit den verschränkten Beinen und dem gestreckten rechten Arm, der den Blick auf die Scham freigibt, ist charakteristisch für Schieles Interesse an komplizierten Körperstellungen und ungewöhnlichen Blickwinkeln.
(Claudia Mörth-Gasser)