Dieses Exponat war Teil der 130. Auktion vom Di, 3. Dezember 2019, 15:00 Uhr.
Archiv: Lot 0340 zoom

0340

Max Oppenheimer*

Bildnis Friedrich Heydenau

Schätzpreis € 50.000 - 80.000

Meistbot € 35.000
(ohne Aufgeld)
  • Detailbild 1: Kat. 0340
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Max Oppenheimer*

(Wien 1885-1954 New York)
Bildnis Friedrich Heydenau, um 1932/1949
Öl auf Leinwand; 78,5 × 64 cm
Rückseitig auf Keilrahmen von Irma Maria Oppenheimer Heydenau bezeichnet und bestätigt: "Aus dem Nachlass MOPP / Portrait Friedrich Heydenau" sowie von Friederike Magauer, der Schwester von Irma Maria Heydenau, auf Etikett bestätigt: "Dieses Bild ist ein Original von Maximilian Oppenheimer und stammt aus seinem Nachlass"
Provenienz
aus dem Nachlass des Künstlers;
österreichischer Privatbesitz
Ausstellung
1940 Chicago, The Arts Club of Chicago, Nr. 4
Literatur
Marie-Agnes von Puttkamer, Max Oppenheimer - MOPP (1885-1954). Leben und malerisches Werk mit einem Werkverzeichnis der Gemälde, Köln / Weimar 1999, WV-Nr. 283, S. 288


Max Oppenheimer stellt auf diesem Porträt seinen ein Jahr jüngeren Bruder Friedrich dar, der nach seiner 1918 im Rang eines Hauptmanns beendeten Offizierslaufbahn erst als Kritiker und dann als freier Schriftsteller arbeitete. 1931 hatte er erste größere Resonanz mit dem im Phaidon-Verlag Wien erschienenen Roman "Sarajevo. Das Schicksal Europas". 1934 verlegte der S. Fischer Verlag Berlin die Erzählung "Wuk der Wolf", die in mehreren Auflagen erschien und der weitere Veröffentlichungen in diesem Verlag folgen sollten. Es war auch das erste Werk, das er unter dem Pseudonym Heydenau schrieb. Zu diesem Zeitpunkt seiner ersten Erfolge saß der Schriftsteller seinem gerade aus Berlin nach Wien zurückgekehrten Bruder Modell für dieses Bildnis. Selbstbewusst lässt er sich frontal, in leichter Aufsicht und als Dreiviertelporträt die gesamte Bildfläche einnehmend vor einem auffälligen grellroten Hintergrund malen, die Augen nachdenklich und konzentriert in die Weite gerichtet.
Das Gemälde ist stilistisch dem lebhaft bewegten Spätimpressionismus zuzuordnen, dem sich Oppenheimer seit 1929 zugewandt hatte. Es gehörte zu den Werken, die dem Maler aus seinem Atelier in der Wiener Hofburg nach New York, wohin er 1939 emigriert war, nachgeschickt wurden. In Amerika stellte er es auch 1940 in 'The Arts Club of Chicago' aus. Nachdem Heydenau, der selber unter abenteuerlichen Umständen mit Hilfe der Beziehungen seines Bruders zu Thomas Mann 1939 über Stockholm auch nach New York geflüchtet war, 1947 wieder nach Wien zurückkehrte, beschloss Oppenheimer, das Gemälde aufgrund der besseren Verkaufsmöglichkeiten zu ihm nach Österreich zu schicken. 1948 schrieb er: „Ich würde das Bild noch verbessern – […] – will sagen es auf Deinen heutigen Stand bringen – nicht so sehr auf Ähnlichkeit – mehr auf Ausdruck.“ und 1949: „Dein Portrait wird bald reisefertig sein [… Der] Spazierstock […] ist nun entfernt. Stattdessen halten der Herr Schriftsteller nun eine schwarze Hornbrille in der Hand. Würdiger und farblich besser zu dem Rot des Hintergrundes und dem Grau des Gewandes passend.“ (Briefe an Friedrich Heydenau vom 28.9.1948 und 23.1.1949, Österreichische Nationalbibliothek, Wien)
(Marie-Agnes von Puttkamer)