Dieses Exponat war Teil der Sommerauktion vom Do, 25. Juni 2020.
Archiv: Lot 1201 zoom

1201

Broncia Koller-Pinell

Kutschenfahrt im winterlichen Wald

Schätzpreis € 25.000 - 50.000

Meistbot € 28.000
(ohne Aufgeld)
  • Detailbild 1: Kat. 1201
  • Detailbild 2: Kat. 1201
  • Detailbild 3: Kat. 1201

Broncia Koller-Pinell

(Sanok 1863-1934 Wien)
Kutschenfahrt im winterlichen Wald, 1910
Öl auf Leinwand; 76 x 76 cm
Bestätigung von Rupert Koller, Sohn der Künstlerin, verso: "Hiermit wird von Herrn Rupert Koller, Sohn von Dr. Hugo Koller und Broncia Koller, aus eigener Anschauung bestätigt, dass dieses Bildwerk, Listennummer 14 von der Hand des Malers Broncia Koller stammt. Herr Rupert Koller erwarb es im Erbwege von seiner Schwester Silvia Koller (A 171/66 Bez. ...) und veräusserte es. R. Koller a.h."
Provenienz
aus dem Nachlass der Künstlerin (Silvia Koller, im Erbwege an Rupert Koller);
Kurt Kalb, Wien;
1972 von Letzterem erworben, seither österreichischer Privatbesitz
Ausstellung
1910 Wien, Internationale Jagdausstellung
Literatur
Sieglinde Baumgartner, Broncia Koller-Pinell 1869-1934. Eine österreichische Malerin zwischen Dilettantismus und Profession, Monografie und Werkverzeichnis, Diss. an der Universität Salzburg, Salzburg 1989, Bd. II, Gem. 339, o. Abb. (wohl mit diesem Gemälde ident)
Maschinengeschriebener Brief von Gustav Klimt an Broncia Koller-Pinell, Wien, 4. Februar 1910, liegt bei (Einladung an die Künstlerin gemeinsam mit der Kunstschau-Gruppe die Internationale Jagdausstellung zu beschicken)

Wir danken Frau Dr. Ursula Hieke, Wien, für die freundliche Unterstützung.


Broncia Koller-Pinell gehört zu den wenigen weiblichen Kunstschaffenden, die im exklusiven Kreis der Secessionisten reüssierten. Die 1863 in Sanok, in Galizien, geborene Künstlerin begann ihr Studium an der Wiener Akademie. 1885 ging sie nach München, um sich am deutschen Impressionismus zu schulen. Ab 1903 wieder in Wien tätig, schloss sie sich der künstlerischen Avantgarde der Wiener Secession an. Adolf Böhm machte sie mit dem ornamentalen Stil vertraut, zum künstlerischen Orientierungspunkt und Maßstab sollte für sie nun Gustav Klimt werden. Sie sympathisierte mit den Bestrebungen der um Klimt versammelten Gruppe der Kunstschau - jener Künstler, die sich 1905 von der Secession verabschiedet hatten - und nahm 1908/09 an deren Ausstellungen teil. 1910 wurde sie von Klimt eingeladen, gemeinsam mit der Kunstschau-Gruppe die Internationale Jagd-Ausstellung zu beschicken, die anlässlich des achtzigsten Geburtstages von Kaiser Franz Joseph I auf dem Weltausstellungsgelände von 1873 in der Rotunde im Wiener Prater stattfand. Im Klimt-Saal dieser historischen Sonderausstellung zum Thema "Jagd" war auch Egon Schiele mit einem Gemälde vertreten. Für diese Ausstellung malte Koller-Pinell wohl vorliegendes Gemälde im quadratischen Bildformat, das dem Stil der Secessionisten entsprach.

Zugang zu den Wiener Künstlerzirkeln fand die Malerin durch ihren Mann, den Physiker und Arzt Hugo Koller, der als überaus gebildeter Kunstmäzen und Sammler enge Bindungen zum Secessionskreis hatte. Von Josef Hoffmann ließ sich Koller nicht nur zwei Stadtwohnungen gestalten, 1911/12 adaptierte Hoffmann auch das Landhaus der Familie Koller in Oberwaltersdorf, wo sich das große Atelier Broncia Koller-Pinells befand. Für die Innenausstattung sorgte Kolo Moser. 1911 präsentierte die Malerin ihre Werke gemeinsam mit Heinrich Schröder im Wiener Kunstsalon Miethke. Zu den vielen Künstlern, mit denen das Ehepaar Koller nicht nur regen Kontakt pflegte, sondern die es auch finanziell unterstützte, gehörte Egon Schiele, der Ende Mai 1918, wenige Monate vor seinem Tod, ein großes Porträt von Hugo Koller malte. Koller-Pinell wiederum fertigte Bildnisse von Edith und Egon Schiele an.

Zahlreiche Bilder Koller-Pinells der Jahre 1905 bis 1911 zeigen eine formale Affinität zur secessionistischen Stilsprache, insbesondere zu Gustav Klimt. Meist liegt der Akzent auf der flächig-dekorativen Anordnung der Bildelemente, betont werden klare Konturen und kräftige, großflächig angelegte Farben. Nicht selten findet sich - wie im vorliegenden Gemälde - das typisch quadratische Jugendstil-Format.
(Claudia Mörth-Gasser)