Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

22. Juni 2023, 16:00 Uhr

5009

Arnulf Rainer*

(Baden 1929)

„o.T.“
1969-71
Fotografie, übermalt; gerahmt
59 x 42 cm

Provenienz

österreichischer Privatbesitz

Schätzpreis: € 35.000 - 70.000

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„Wenn ich zeichne, bin ich aufgeregt, spreche mit mir selbst, verziehe mein Gesicht, beschimpfe Leute, bewege und verwandle mich permanent als Leib, Charakter und Person“.
(Arnulf Rainer 1971, in Körpersprache, München 1980, S. 35)

In den 60er-Jahren beschäftigte sich Arnulf Rainer mit Gesichtern und Grimassen. Im Augenblick des Zeichnens spiegelten sich diese Karikierungen auf seinen eigenen Gesichtszügen wider. 1968 experimentierte er mit direkter aktionsbezogener Gesichtsbemalung. Sein Körper wurde zum Ausdrucksmittel. Zuerst physisch und in weiterer Folge durch Selbst-Fotografie. Nach ersten Aufnahmen in einer Fotoautomatenkabine am Wiener Westbahnhof arbeitete Rainer mit unterschiedlichen Fotografen. Von der gewollten Intensität des Abbildes seiner Verzerrungen enttäuscht, begann Arnulf Rainer die Fotos der mimischen Farcen in weiterer Folge zeichnerisch zu akzentuieren.

Die vorliegende Fotoübermalung ist ein Beispiel für intensive Überarbeitungen. Farbe ist oft der erste Schritt und ein dichtes Schwarz der Endpunkt. Eine akzentuierte Selbstreproduktion, eine Verwandlung bis hin zu einer Eigenauslöschung können das Ergebnis sein. Diese malerischen Korrekturen steigern die Anspannung, die Ironie, die Verfremdung, die Expression und das Komische. In der Übertreibung zeigt sich etwas bis dahin Verborgenes.

Diese Werkgruppe hat, nach den frühen Übermalungen, eine besondere Bedeutung in Arnulf Rainers Oeuvre. Auf der Biennale in Venedig 1978 erlangte er damit im österreichischen Pavillon erstmals international große Beachtung. Die Übermalungen des eigenen Gesichtes und Körpers beschäftigten Arnulf Rainer zwischen 1968 und 1975.

(Christa Armann)