Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

09. Dezember 2022, 15:00 Uhr

2203

Hermann Nitsch*

(Wien 1938 - 2022 Wien)

„o.T.“
2007
Acryl auf Leinwand; ungerahmt
200 x 150 cm
Rückseitig signiert und datiert: Hermann Nitsch 07

Provenienz

Privatbesitz, Wien

Schätzpreis: € 60.000 - 120.000

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„die malerei soll unser empfinden zu tiefer und intensiver sinnlicher registrierung öffnen.“ (Hermann Nitsch in: Mappe zur 20. Malaktion in der Wiener Secession, Wien 1987, S. 25)

Durch die Aktionskunst wird für Hermann Nitsch die Farbe zur Substanz, die gespritzt und mit den Händen bearbeitet wird, in der gewühlt wird, die verwischt werden kann und die somit Träger aller Emotionen, von Aggression über Leid bis hin zur Lust sein kann. „Die exzessive, subjektive und unmittelbare Malarbeit ist jeweils anderen pragmatischen und inhaltlichen Voraussetzungen unterworfen und verschiedenen Problematiken gewidmet und zeitigt dem entsprechend unterschiedliche bildnerische Resultate. Im Mittelpunkt steht die Auseinandersetzung mit dem Substanzwert der Farbe, der vom flüssigen bis zum pastosen Zustand variiert. Die Farbe wird geschüttet, gespritzt, gepinselt oder mit der bloßen Hand verschmiert – in ihr „wühlt“ der Künstler gleich in den Eingeweiden der Tiere. Informelle Geste und aktionistische Wirklichkeit verbinden sich.“ (https://www.nitschmuseum.at/de/hermann-nitsch/werk/werk-1, aufgerufen am 2.10.2022)

In den 1990er Jahren entstehen verstärkt eigenständige Leinwandbilder, die losgelöst von Zyklen und der Aktionsmalerei als autonome Einzelwerke betrachtet werden können. Auch hier steht das orgiastische Geschehen, der dramatische Exzess im Mittelpunkt. Die Malerei ist Zeichen einer „gewaltigen Vitalitätsaufwallung. Grundkräfte des Daseins bringen sich zur Anschauung und dies ganz direkt. Die Elementarkräfte des Daseins, die die Schöpfung erhalten und antreiben, die die Gestirne ruhen lassen und gleichzeitig bewirken, dass Milliarden Galaxien auseinanderrasen und sich in den Untiefen des Raumes verlieren.“ (Hermann Nitsch in: Mappe zur 20. Malaktion in der Wiener Secession, Wien 1987, S. 27)

Auch in der reinen Malerei gelingt es Hermann Nitsch den Sinnenrausch, Triebe und verdrängte Wünsche, mittels der aufgewühlten, verspritzten und verschmierten Farbe zum Ausdruck zu bringen. Eine große Bedeutung kommt dabei auch der Farbigkeit zu. Er liebt die Glut der Farben bei den alten Meistern, vor allem bei El Greco und Rembrandt, und die hellen, sonnendurchtränkten Farben der Impressionisten. Einer musikalischen Komposition gleich orchestriert er so den Bildraum.

(Sophie Cieslar)