Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

09. Dezember 2022, 15:00 Uhr

2230

Maria Lassnig*

(Kappel am Krappfeld/Kärnten 1919 - 2014 Wien)

„o.T.“
1951
Monotypie; gerahmt
41 x 61 cm (Blattmaß)
Handschriftlich bezeichnet links unten: Monotypie
Handschriftlich signiert und datiert rechts unten: Lassnig 14951

Provenienz

österreichischer Privatbesitz

Schätzpreis: € 5.000 - 10.000

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Der Art-Club stellte in der Nachkriegszeit das wichtigste Forum für junge, an neuen Richtungen interessierte Künstler dar. Die um 1951 aufkeimende, abstrakt-geometrische Tendenz wurde jedoch von etlichen Mitgliedern abgelehnt, weshalb Lassnig mit Arnulf Rainer, Arik Brauer, Ernst Fuchs und einigen anderen Mitgliedern die "Hundsgruppe“ gründet. Ein Stipendium ermöglicht ihr im gleichen Jahr einen Aufenthalt in Paris, den sie in Form von zwei einmonatigen Reisen 1951 und 1952 gemeinsam mit Rainer wahrnimmt. Während der ersten Reise lernt sie Vertreter des Surrealismus kennen, es ist aber eine Ausstellung, in der sie erstmals amerikanische, italienische und französische informelle und abstrakt-expressionistische Werke sieht, die sie wirklich begeistert. Nach ihrer Rückkehr verarbeitet Lassnig ihre Eindrücke sofort in ihren Werken, unter anderen auch in Monotypien in blauschwarzer Öl-Farbe auf Papier. Es sind ausstrahlende oder glatt geschwungene Linienzüge, die sich, wie auch in den Kohlezeichnungen, nach und nach zu gequetschten, deformierten Kreisen entwickeln, Formen, die sich um eine zentrale schwarze Mitte herum anordnen.

„(…) die reine Geste wird in der Dauer Schwerpunkte, Konzentrationspunkte erzeugen. Man kann auch mit ihnen beginnen, sie verlieren und verlagern. (…)“ (Maria Lassnig. Schriften. Malrezepte (1951-1960), in: Bormann/Hoerschelmann/Schröder (Hg.), Maria Lassnig. Ways of being, Ausst. Kat., Amsterdam/Wien 2019, S. 39)

Stets bleibt in Lassnigs Arbeiten jedoch der Rückbezug von Form zur Körperlichkeit erhalten, wenn auch nicht auf den ersten Blick erkennbar. Doch bereits einige frühe Zeichnungen Ende der 40er Jahre stellten introspektive Erlebnisse dar und zählen somit zu den ersten Körperbewusstseins-Bildern, die ihr Werk prägen werden. Es geht dabei um das Verhältnis vom eigenen Innen und Außen, eine Art Befragung des eigenen Ichs, in dem das Amorphe, Unvollendete und sich Wandelnde eine große Rolle spielen.

Gemeinsam mit Rainer organisiert sie die Ausstellung „Junge unfigurative Malerei“ in Klagenfurt und formuliert dazu das Manifest “Keine Verteidigung“. Damit wird erstmals in Österreich informelle Kunst in einer Ausstellung präsentiert, die jedoch floppt. Nachdem sich die "Hundsgruppe" wieder aufgelöst hatte, präsentiert Lassnig erneut Werke, diesmal als Einzelschau im "Strohkoffer". Die Reaktion ist wieder ablehnend, insbesondere für ihre Zeichnung "Informelles Knödelselbstporträt" von 1950/51 erntet sie Spott. Trotzdem lässt Lassnig sich nicht beirren – mit Erfolg: Zehn Jahre später werden jene Arbeiten als wesentliche erste Werke des österreichischen Informel begriffen und aufgearbeitet. Maria Lassnig zählt zu den Begründern des Informel in Österreich und ist heute wohl die wichtigste, auch international erfolgreiche österreichische Künstlerin. Sie verstarb im Mai 2014, ihre Werke sind in zahlreichen Ausstellungen und Museen zu sehen.

(Ina Waldstein)