Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

09. Dezember 2022, 15:00 Uhr

2210

Max Weiler*

(Absam bei Hall i. Tirol 1910 - 2001 Wien)

„Strampedemi“
1983
Mischtechnik auf Leinwand; gerahmt
83 x 105 cm
Signiert und datiert links unten: Weiler 83
Rückseitig am Keilrahmen signiert, datiert und bezeichnet: Weiler 83, "Strampedemi"

Provenienz

Galerie Maier, Innsbruck;
Privatbesitz, Wien

Schätzpreis: € 40.000 - 80.000

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Nachdem Weiler 1981 seine Professur an der Wiener Akademie niedergelegt hatte, begann eine weitere intensive Werkphase für ihn. Obwohl er in den letzten 50 Jahren bereits ein gewaltiges Oeuvre geschaffen hatte, zu dem etwa 1500 Gemälde, an die 40 Werke im öffentlichen Raum und ein zeichnerisches Werk von ca. 4000 Blättern zählen, blieben seine Kreativität und sein Schaffenseifer ungebrochen. Im Gegenteil zeichnet sein Spätwerk eine besondere Souveränität aus, der Künstler konnte nun aus dem Vollen schöpfen.

Weilers Überzeugung, dass Natur und Spiritualität untrennbar miteinander verwachsen sind, gewann im Spätwerk neue Überzeugungskraft. Er beherrschte seine Formensprache, die sich so sehr von den Arbeiten zeitgenössischer Künstler unterscheidet, und malte nun mit einer Farbenpracht und Selbstsicherheit, die ekstatische Dimensionen annahm. Dabei ging Weiler bis zuletzt einen ganz eigenen Weg, der mit keiner der zeitgenössischen Strömungen in Österreich zu vereinbaren war. Stets blieb er bei der Natur jenseits gängiger Landschafts-Schemata, um die sich sein künstlerisches Universum drehte, und beim steten „Gedanken an Metamorphose, von ‚Allem in Einem‘. Das Natürliche verschränkt sich mit Affekten, dem Seelischen und Geistigen zu einer dichten Wirkungsgröße.“ (Gottfried Boehm, Der Maler Max Weiler. Das Geistige in der Natur, Wien 2001, S. 174)

In Weilers Bildern gibt es keine Perspektiven, die Nah und Fern definieren, keine Schatten, keine Lichteffekte. Der Blick des Betrachters schweift ohne Anleitung tastend über die pflanzen- und landschaftsartigen Formationen. Immer wieder geben Titel Hilfestellungen, aber nicht verlässlich. „Einzelne Flecken oder Linien wachsen aus dem Bildgrund und entwerfen eine Natur, die von einer durchdringenden und alles bewegenden Energie erfasst ist.“ (ebenda, S. 377)

In „Strampedemi“ bietet uns Weiler keine Lese-Krücke. Er bezieht sich in diesem Titel wohl auf ein altes Schlachten-Lied aus dem 16. Jahrhundert, das teils in Deutsch, teils in schlechtem Altitalienisch verfasst ist und von den Landsknechten während der Feldzüge gesungen wurde. Ob die braungrün aufragenden Formen mit den zartvioletten Schleiern im Hintergrund und den blauen Sternen an die marschierenden Landsknechte erinnern sollen oder an deren Seelen auf den ehemaligen Schlachtfeldern, wo sich heute hohes Gras im Wind neigt, beibt dahingestellt. Eine genaue Erklärung ist nicht nötig. Man schaue und fühle.

(Ina Waldstein)