Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

09. Dezember 2022, 15:00 Uhr

2215

Adolf Frohner*

(Groß Inzersdorf 1934 - 2007 Wien)

„o.T.“
1965
Mischtechnik auf Hartfaserplatte; gerahmt
169 x 128 cm
Signiert und datiert unten mittig: Frohner 65

Provenienz

österreichischer Privatbesitz

Schätzpreis: € 10.000 - 20.000

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Wenn man an die österreichische Nachkriegsmoderne denkt, kommt man an Adolf Frohner nicht vorbei. Der Maler, Grafiker und Bildhauer zählte zu den wichtigsten Positionen hierzulande. Frohner wurde 1934 im niederösterreichischen Großinzersdorf geboren. 1952 zog es den Werbegrafiker und Autodidakten als Gasthörer von Herbert Boeckl an die Akademie der bildenden Künste Wien. 1962 avancierte er mit der Einmauerungsaktion "Die Blutorgel" in einem Atelierkeller in Wien Brigittenau neben Otto Muehl und Hermann Nitsch zu einem Mitbegründer des Wiener Aktionismus. Die eigentliche Inspiration fand Frohner aber in der Kunstmetropole Paris, wo er in den Sechzigerjahren den Nouveau Réalisme rund um Pierre Restany, Daniel Spoerri und Jean Dubuffet kennen lernte. Der Kontakt zur französischen Avantgarde wirkte sich immanent auf sein weiteres Schaffen aus. Frohner war Professor an der Hochschule für angewandte Kunst (heute Angewandte) und nahm an internationalen Ausstellungen wie der Biennale von São Paulo (1969) und Biennale von Venedig (1970) teil. 2007 verstarb der Künstler mit Alter von 72 Jahren. Neben Malereien, Druckgrafiken und Plastiken hinterließ Frohner ein breites Spektrum an Zeichnungen. Zu seinen produktivsten Phasen zählten die 1960er-Jahre, wo Frohner zur künstlerischen Hochform auflief, und seine autonome Handschrift entwickelte.

Dazu zählt auch das vorliegende Werk von 1965. In dem Motiv zeigt sich Frohners Interesse am subtilen Wechselspiel von Abstraktion und Figuration, Expressionismus und Informel. Formauflösend, skizzenhaft und spontan näherte er sich dabei seinen Gedanken und dem Gesehenen. Über das Zeichnen schrieb Frohner einmal: „Nichts ist der Natur und den Menschen so fern wie ein Bleistiftstrich. Weder diese, noch jene, geben irgendwelchen Anlass, mit Strichen – schwarz, weiß – abgebildet zu werden. Striche – schwarze Striche – gibt es weder auf der Erde noch in dem von uns bekannten Kosmos. Zeichnen heißt: sich gegen die Flecken (Flächen) und Farben zu entscheiden. Farbe verwenden heißt: Sich dem Vitalen zuzuwenden; die schwarze Linie benützen dagegen dem Gleichnis näherkommen wollen.“ (Adolf Frohner. Zeichnungen, Aquarelle, Gouachen, Ausst. Kat. Galerie Freiberger, Mürzzuschlag 08.–24.03.1990, o. S.)

(Stefan Üner)