Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

09. Dezember 2022, 15:00 Uhr

2240

Franz Grabmayr*

(Pfaffenberg b. Obervellach/Kärnten 1927 - 2015 Wien)

„Landschaft“
1978
Öl auf Leinwand; gerahmt
144 x 98 cm
Rückseitig signiert und datiert: Grabmayr 1978

Provenienz

aus einer institutionellen Sammlung

Schätzpreis: € 30.000 - 60.000

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Trotz diverser Ansätze, Franz Grabmayrs Werk und Arbeitsweise in die Kunstgeschichte einzuordnen, als Vorläufer der jungen Wilden sowie der Aktionisten, als Expressionist und als Materialkünstler - die allesamt ihre Berechtigung haben - ist es ihm gelungen, seinem innersten Empfinden Ausdruck zu verleihen und sich einen Namen zu machen, ohne auf zeitgenössische Tendenzen Rücksicht zu nehmen oder sich in der Kunstszene inszenieren zu müssen. Grabmayrs virtuoser Umgang mit Farbe sowie seine tiefe Naturverbundenheit führten zu einer - im besten Sinne - Eigenwilligkeit und Selbstverständlichkeit, die sein Werk bis zu seinem Tod 2015 auszeichnen.

Der Erfolg hat sich trotzdem eingestellt. Obwohl seine Ausbildung bei Robin Christian Andersen und Herbert Boeckl eher eine enge Verbundenheit zum österreichischen Expressionismus hätte erwarten lassen, vertiefte Grabmayr sich ins Studium der Farbe und deren Eigenschaften und verfolgte einen eigenen Weg. Er experimentierte mit selbst gemischten Pigmenten und verschiedenen beigefügten Naturmaterialen wie Sand, Koks, Asche und Stroh und wagte früh den Schritt in die Abstraktion bzw die völlige Autonomie der Farbe. Seinen oft beeindruckend gewichtigen Werken ging stets der intensive Prozess des Schauens und Beobachtens in der Natur voran. Auch bei in der malerischen Umsetzung nicht mehr erkennbaren Formen konnte er sein Ursprungsmotiv stets akribisch detailliert, beinahe fotografisch beschreiben: Berge und Felsen, Wurzeln, alte Bäume, Kornmandln und Sandgruben, Wasserfälle, Felsen und Flüsse sind seine Themen, für die er die Staffelei stets im Freien aufstellte. Seine Eindrücke des Lichts, der Farbakkorde, Stimmungen und Energien des Gesehenen verarbeitete er mit über- und nebeneinander gesetzten Schichten intensiver Farben, die er mit heftigen Hieben und Strichen zentimeterdick mit dem Palettenmesser auftrug, wobei er die einzelnen Flecken stark vergrößerte und misslungene Partien einfach wieder abkratzte. Dadurch erhielten seine Werke eine geradezu „begreifbare“ Plastizität, ein pastoses Relief, das auch nach dem abgeschlossenem Farbauftrag schwerkraftbedingt weiter arbeitete um schließlich wie Lava zu erstarren.

Bereits 1971 schrieb der Kunsthistoriker Otto Breicha von „einer resoluten Malerei deftiger Farben bis hin zu einem Farbformgeschiebe, das gut und gern als abstrakte Flächenkomposition gelten könnte (…) Seine fingerdick beschichteten Farbreliefs tragen zur farbigen Erscheinung die Runzelung bei, die krustierten Ränder als etwas tatsächlich Begreifbares (…)“ (Otto Breicha: Franz Grabmayr. Aus der Sandgrube. Bilder 1966 -1970, Galerie Würthle, Wien 1971)

(Ina Waldstein)