Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

09. Dezember 2022, 15:00 Uhr

2227

Erwin Thorn*

(Wien 1930 - 2012 Wien )

„Bild III der Serie Expansion“
1960
Öl auf Hartfaser; ungerahmt
106 x 106 cm
Rückseitig signiert, datiert und bezeichnet: Thorn, 60, Bild III der Serie Expansion

Provenienz

1970 direkt beim Künstler erworben;
aus einer institutionellen Sammlung

Schätzpreis: € 10.000 - 20.000

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Der Wiener Bildhauer Erwin Thorn zählte zu den interessantesten Erscheinungen der österreichischen Nachkriegskunst. In Anlehnung an die ZERO-Bewegung und der italienischen Avantgarde der Sechziger Jahre arbeitete Thorn gattungsübergreifend zwischen Bild und Skulptur. Thorns Arbeit ist geprägt von analytischem Denken und dem Prinzip der Reduktion. Mit seiner radikalen Formensprache befreite er das Objekt von der herkömmlichen Rhetorik, das Werk sollte allein aus der suggestiven Vorstellungskraft des Betrachters wirken. Thorn selbst dazu: „Aufgrund der in den europäischen Fünfziger- und Sechzigerjahren vorherrschenden Pathosformeln kristallisierte sich eine Abgrenzungsbewegung, die eine reduktionistische formale Ordnung anstrebte. Diese umfasste auch eine Ablehnung narrativer Momente, was in meiner heutigen Sicht eine Inklination zu Kurzformeln bewirkte. Fragestellungen blieben erhalten. So wollte ich das tradierte Verhältnis von Bild und Rahmen umkehren mit der Frage, ob das Ereignis im Rahmen oder im Bild liegt. Das bedeutet im Falle von Aitesis: das Ereignis liegt an den Rändern und das Nichts im Bild, wobei das Nichts für mich nicht nichts sondern eine atmende Fläche zu sein beansprucht.“ (Farbenlust und Formgedanken. Abstrakte Wege in Österreich 1900–2000, hrsg. v. Erika Patka, Gabriela Nagler, Ausst. Kat. Frauenbad, Baden bei Wien 16.12. 2000–25.2.2001, Wien 2000, S. 119)

Das vorliegende Bild III aus der Serie Expansion reiht sich in Thorns malerisches Werk, das aufgrund seiner überschaubaren Anzahl eine besondere Stellung in seinem Gesamtschaffen einnimmt. In dem quadratischen Bild offenbart sich sein Faible für eine puristische Ästhetik, die sich durch Leere und Reduktion auszeichnet. Dabei lotete der Bildhauer die Grenzen des traditionellen Bild- und Werkbegriffs aus. Mit seiner reliefartigen Oberflächenstruktur vermittelt es Plastizität und Tiefe. Es erinnert an chemische Prozesse, eine experimentelle Arbeit an der Schnittstelle von Malerei und Bildhauerei.

Thorn selbst beschrieb seine Arbeit einmal so: „Die Werke beschränken sich freiwillig auf ein Minimum an Ausdrucksmitteln, um den Betrachter auf Anhieb die bildliche Situation zu Bewusstsein zu bringen. Die weiße Farbe soll die Objektivität erhöhen, dem Betrachter soll innerhalb einer klaren Ordnung ein möglichst großer Spielraum gegeben werden.“ (Oswald Oberhuber/Kristian Sotriffer: Beispiele. Österreichische Kunst von heute, Wien [u. a.] 1971, S. 80)

(Stefan Üner)