Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

09. Dezember 2022, 15:00 Uhr

2243

Herbert Brandl*

(Graz 1959)

„Schwarze Sulm“
2017
Öl auf Leinwand; ungerahmt
170 x 219 cm
Rückseitg signiert und datiert: Brandl 2017

Provenienz

Privatbesitz, Wien

Literatur

Vgl. Ausstellungskatalog, Galerie nächst St. Stephan (Hg.), Herbert Brandl: Schwarze Sulm, Wien 2015.

Schätzpreis: € 40.000 - 80.000

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Die kraftvollen Pinselstriche Herbert Brandls, mit denen der Künstler sich Bergen, Flüssen und Landschaften annähert, charakterisieren ein Werk, in dem Abstraktion und gegenständliche Malerei sich nicht ausschließen, sondern eng verwandt nebeneinander existieren, ja sich gegenseitig erklären und ergänzen. Mächtige Gebirgsformationen, imposante Wasserfälle und stimmungsvolle Auenlandschaften stehen neben intimen Nahaufnahmen von Rasen- und Wiesenstücken und wenigen, gekonnt gesetzten Pinselschwüngen, in denen die Lesbarkeit verloren, nein gar nicht gewollt ist.

Natürliche Formen und gestische Malerei, Gegenständlichkeit und Abstraktion dürfen bei Brandl oszillieren, Schnee, Wasser und Fels werden zu Farbkaskaden, Farben wachsen zu vertrauten, erkennbaren Formen zusammen. In seinem Werk verbinden sich romantische Tendenzen mit monumentaler, expressiver Malerei und abstrakten Bildräumen. Die Farbe spielt gegenüber der Form die wichtigere Rolle für den Künstler. Er malt rasch und intuitiv, ohne zielgerichtetes Vorgehen, oft ist die Gegenständlichkeit gar nicht geplant sondern ergibt sich erst im Arbeitsprozess. Gleichzeitig lässt Brandl gerne die Pinselstriche sichtbar stehen, lässt Farbe zerlaufen oder malt abgesetzte Felder, die das Raumempfinden verwirren. Dabei schreckt er auch nicht davor zurück, sich politisch zu äußern, wenn er sich als engagierter Umweltschützer bedrohte Naturräume als Motive vor- und dazu Stellung nimmt. Die steirische Koralpe oder die schwarze Sulm mit ihren Wasserfall-Kaskaden, ein romantischer Wildbach bei Schwanberg zählen dazu, denen sich Brandl in zahlreichen großen Formaten widmete und somit einen deutlichen Appell zum Schutz der Natur aussprach.

Dem Wasserfall als faszinierendem Motiv widmete sich der Maler allerdings schon in den 1980er-Jahren: Die gestauten Wassermassen, die sich rauschend über moosbewachsene Felsen ergießen und in weißer Gischt aufschäumen, bevor sie sich in stilleren Abschnitten wieder zu grünlicher Farbe beruhigen, als auch die schwarz glitzernden tiefen Teiche bieten dem Künstler reichlich Farb- und Formenspiel, dessen Essenz Brandl in mal stärker, mal weniger aufgelösten Pinselstrichen einzufangen und zu schildern sucht.

(Ina Waldstein)