Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

09. Dezember 2022, 15:00 Uhr

2298

Ernst Fuchs*

(Wien 1930 - 2015 Wien)

„Esther“
Bronze, blattvergoldet
H. 350 cm; Spannweite: 230 cm
Signiert und nummeriert am Sockel: Ernst Fuchs 5/5

Nach Terminvereinbarung zu besichtigen bei:
Bruckberger the art of work
Betriebsgebiet Süd Straße E Objekt 6
3071 Böheimkirchen

Kontakt:
office@the-art-of-work.at
+ 43 676 521 94 15

Schätzpreis: € 100.000 - 200.000

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Für die Ausgestaltung des Skulpturenparks „Paradiso“, der Anfang der 2000er Jahre hinter der Fuchs Villa in Hütteldorf entstehen sollte, erschuf der Künstler die monumentale Bronzeskulptur „Esther“, die eine prachtvoll vergoldete Krone auf Ihrem Haupt trägt. Es kann ein Bezug zur biblischen Königin Ester, Frau des persischen Königs Ahasveros hergestellt werden, die durch Verhandlungsgeschick ihr Volk, die Juden, vor der Vernichtung gerettet hat. Sicherlich wusste Ernst Fuchs aber auch um die viel weiter zurückliegende Bedeutung des Namens, der im babylonischen „Göttin“ und im altindischen „junge Frau“ bedeutet. Somit verleiht er der Skulptur eine Bedeutung, die über den biblischen Kontext hinausgeht.

Ernst Fuchs‘ Esther ist mit ihren ausladenden Hüften und von goldenen Blättern bedeckten prallen Brüsten ein Symbol der Fruchtbarkeit und Weiblichkeit, wie wir es in vielen Kulturen seit der Altsteinzeit kennen. Das Gesicht mit den geschlossenen Lidern erinnert an Apsara Köpfe, jene halb menschlichen, halb göttlichen Frauen der hinduistischen und buddhistischen Mythologie, aber auch an die Khmerköpfe, wie wir sie im berühmten Bayon-Tempel in Angkor Thom bewundern können. Ernst Fuchs hat sich intensiv mit alten Kulturen beschäftigt und lässt deren Figurenkanon und Mythologien immer wieder in sein vielfältiges Werk einfließen. So sind auch die der Esther beigefügten Attribute vom Künstler mit Bedacht ausgewählt. Auf ihrem ausgestreckten linken Arm sehen wir einen Zweig mit einer aufgehenden Blüte als Zeichen der Unsterblichkeit, aber auch der Weiblichkeit, Liebe und Fruchtbarkeit. Den rechten Arm schlängelt sich eine Schlange Richtung Schulter der Frau. Schon im alten Ägypten, wie in vielen altorientalischen Kulturen ist die Schlange Ausdruck höchster göttlicher und königlicher Kraft. Sie ist ein Ursymbol, das einerseits Leben, Erneuerung, Verjüngung, Auferstehung und andererseits Tod und Zerstörung versinnbildlicht. In der Bibel ist sie die Verführerin, die zur Vertreibung aus dem Paradies führt, sie ist aber auch Symbol von Macht und Weisheit und verkörpert als Begleiterin verschiedener Göttinnen den weiblichen Logos.

„Was an Fuchs besticht, ist seine hohe Intelligenz, seine enorme Belesenheit und seine sprühende Phantasie, die sich wie eine langaufgestaute Quelle ergießt und alles in Begeisterung mitreisst; sie scheint nie zu versiegen. In ihm hat man eine Kultur von dreitausendjähriger Herkunft vor sich, die er mit seinen Werken repräsentiert.“ (Arno Breker, Schriften, Bonn-Paris-New York, 1983. S. 79)

(Sophie Cieslar)