Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

09. Dezember 2022, 15:00 Uhr

2217

Hans Bischoffshausen*

(Feld am See/Kärnten 1927 - 1987 Villach)

„Gebetstafel“
Spachtelmasse, Lack auf Hartfaserplatte
46 x 30 cm

Provenienz

in den 1970er Jahren direkt beim Künstler erworben;
seither in Privatsammlung (Bonan), Großbritannien

Schätzpreis: € 6.000 - 12.000

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Ende 1959 erfüllte sich der gebürtige Kärntner Hans Bischoffshausen seinen Traum, in die Kunstmetropole Paris zu ziehen. Über ein Jahrzehnt lang lebte er mit seiner Familie (Frau Helene und zwei Töchter) in der französischen Hauptstadt, allerdings unter miserablen Lebensumständen. Die klare künstlerische Sprache, die Bischoffshausen in der Pariser Zeit entwickelte, steht im diametralen Gegensatz zu seinen autobiographischen Beschreibungen von Schmutz, Armut und Alkoholexzessen. Seine Bilder hingegen zeichnen sich durch Reinheit, Ordnung und Ruhe aus. In der Pariser Zeit, die heute als seine wichtigste Schaffensphase gilt, fand Bischoffshausen zu einer streng monochromen, extrem reduzierten Bildsprache. Er malte nicht mehr mit Farben, sondern mit Licht und Schatten, die sich durch die Reliefierung des monochromen Bildgrunds ergaben. „Energie“ und „Raum“ waren wichtige inhaltliche Ankerpunkte dieser Werke, Zen-Buddhismus und Meditation verschafften ihm den philosophischen und praktischen Zugang zur Bearbeitung dieser Themen.

Bischoffshausen wollte mitunter auch den Betrachter:innen seiner Werke zu meditativen Erlebnissen verhelfen, besonders eindrucksvoll ist das bei den „Gebetstafeln“ (Lot 2217) der Fall. Diese waren nicht in erster Linie als Bilder, sondern als Gebrauchsobjekte konzipiert, die mehrere Sinne ansprachen: neben dem Sehsinn auch den Tastsinn durch fühlbare Reliefierungen, aber auch den Hörsinn durch im Inneren eingeschlossene Körner, die beim Bewegen der Tafel rauschen. Dieses Ansprechen der Sinne sollte zum bewussten Wahrnehmen, zur inneren Einkehr und im besten Fall zu Kontemplation führen.

Mit Bischoffshausens Umzug zurück nach Österreich (1971) setzte auch ein Wandel in seinem Schaffen ein. Zusehends wandte er sich von der Monochromie ab und begann nach über einem Jahrzehnt wieder mehr als eine Farbe zuzulassen. Mehrere der zur Versteigerung gelangenden Werke stellen eine interessante Verknüpfung der Pariser Phase mit dieser Zeit des Umbruchs dar: bei den Arbeiten "Emmanation" (Lot 2218) und "Purifiaction" (Lot 2219) hatte er monochrome Werke der Sechzigerjahre nachträglich mit einer mehr oder weniger sanften Farbgebung bzw. Patina versehen, was er auf der Rückseite der Bilder vermerkte („Couleurs 1971“). Die gleiche Vorgehensweise ist auch für die Exponate "Espace concentré" (Lot 2220) und "Angoisse" (Lot 2221) anzunehmen, auch wenn es hier nicht dezidiert vermerkt wurde.

(Clara Kaufmann)