Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

08. Dezember 2022, 15:00 Uhr

2029

Anton Lutz*

(Prambachkirchen 1894 - 1992 Linz)

„Ursula“
1960
Öl auf Hartfaserplatte; gerahmt
97 x 72 cm
Signiert und datiert rechts unten: A. Lutz 60
Rückseitig bezeichnet: Prof. A. Lutz, Linz / "Seraphine"

Provenienz

Nachlass des Künstlers;
österreichische Privatsammlung

Das Gemälde ist im digitalen Werkverzeichnis Anton Lutz unter der Nr. 197 registriert.

Schätzpreis: € 15.000 - 25.000

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Der oberösterreichische Maler Anton Lutz wandte sich früh einem seiner Hauptsujets, dem (Freilicht-)Akt, zu. Nach einer Ablehnung der Wiener Akademie der bildenden Künste vertiefte er seine bisher autodidaktischen Malkenntnisse in München in Heinrich Knirrs Malklasse und belegte zusätzlich Aktvorlesungen der Münchner Universität im Jahr 1922-23. In den 20er Jahren bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges nahm Lutz annähernd regelmäßig an den Frühjahrsausstellungen der Wiener Secession teil und hatte auch in seiner Heimat Oberösterreich (Linz) einen hohen Bekanntheitsgrad als Künstler erreicht, der ihm im Herbst 1934 das Amt des Präsidenten des Oberösterreichischen Kunstvereins ermöglichte. Dieses hatte er bis zum „Anschluss“ im Jahr 1939 inne. Nach dem Krieg verlieh man ihm erneut dieses Amt.
Neben Landschaftsdarstellungen, Stadtansichten und Porträts wird vor allem der weibliche Akt ab den 1940er Jahren ein dominierendes Bildsujet des Künstlers. Seine Modelle platziert Lutz nach traditionell-akademischen Gestaltungsprinzipien, wobei er diese gerne zusammen mit lockeren Draperien, einfachen Stühlen oder Bauernkrügen als Beiwerk arrangiert. Anton Lutz‘ Formenrepertoire entwickelt sich in seinem Spätwerk hin zu einem spannungsgeladenen Lichtimpressionismus, in dem stets die traditionelle Münchner Schule mitschwingt.
Sein meisterlicher Einsatz von Farblichtreflexionen und Komplementärkontrasten in der Licht- und Schattengestaltung zeigt sich auch in unserem Werk „Ursula“. So nimmt das Inkarnat des verschatteten Körpers einen Grünstich an und steht somit in einem starken Kontrast zu den leuchtend roten Partien der Draperie und der hellen Wand. Mit der Nichtfarbe Schwarz umrandet Lutz subtil, vom dunklen Haar Ursulas ausgehend, die Konturen des sich vom Lichteinfall abwendenden Modells. Lutz meisterlich ausgeführtes Licht- und Schattenspiel in diesem Werk zaubert dem elegant gedrehten Körper farbliche Lichtreflexe auf Haut und Haar. Damit setzt er eine reizvolle Beziehung zwischen der Figur und der leuchtend roten, blauen, grünen und gelben Musterung der Draperie. Jenes Farbenspiel fluoresziert besonders schön auf der zarten Haut ihres linken Beines.
Der ruhige Ausdruck des verschatteten Gesichts ermöglicht den Betrachtern einen besonders intimen Blick auf das Sujet. Das farbige und lichterfüllte Wechselspiel von Figur und Hintergrund und die für den Maler typische Akzentuierung der Komplementärfarben Grün und Rot, welche sich in vielen Aktdarstellungen aus den 50er und 60er Jahren findet, zeichnet auch diesen Akt von Anton Lutz aus.
(Valerie Pauß)