Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

08. Dezember 2022, 15:00 Uhr

2028

Leo Putz

(Meran 1869 - 1940 Meran)

„Sonnwend (Mittelbild des Triptychons)“
1924
Öl auf Leinwand; gerahmt
125 x 115 cm
Signiert links unten: Leo Putz
Rückseitig auf Etikett bezeichnet, datiert und signiert: Sonnwend / Mittelbild / 1924 Leo Putz
Rückseitig Etikett der Galerie Banger, Wiesbaden sowie Ausstellungsetikett Kunstverein Stuttgart
Mittelbild des Triptychons Sonnwend

Provenienz

direkt vom Künstler;
seither Privatsammlung, Deutschland

Literatur

Helmut Putz, Leo Putz 1869-1940. Werkverzeichnis in zwei Bänden, Gauting 1994, Band I, S. 240 mit Farbabb. sowie Band II, S. 655, Nr. 407 (mit s/w-Abb.)

Schätzpreis: € 50.000 - 100.000

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Nicht schöner hätte der meisterhafte Künstler Leo Putz diese stimmungsvolle Szene einfangen können. Nicht besser hätte er die Unmittelbarkeit dieses besonderen Augenblicks unterstreichen können. Genau deswegen war Leo Putz bereits zu Lebzeiten künstlerisch große Anerkennung vergönnt. Er gehörte Anfang des 20. Jahrhunderts mit seinen von Licht durchfluteten, dem Impressionismus verbundenen Bildern zu den erfolgreichsten Künstlern in München.
Der Titel „Sonnwend“ verrät, wie der Betrachter die Szene einordnen kann. Zwei junge Paare genießen im Sonnenuntergang des längsten Tages im Jahr eine Bootsfahrt auf dem stillen Wasser eines Sees. Das Boot, in dem die Paare Platz genommen haben, füllt den Bildbereich weitreichend aus. Es ist zum Sonnwendfest mit großen, prächtigen Lampions geschmückt, die wie ein Dach über den Paaren dekorativ angebracht wurden. Die jungen Männer haben links im Boot Platz genommen und ihre jungen Begleiterinnen neben ihnen. Sie sind dem Anlass entsprechend festlich gekleidet. Mann und Frau sind im Gespräch vertieft beziehungsweise gibt der junge Mann des Paares, das dem Betrachter zugewandt sitzt, seiner Frau einen zärtlichen Kuss auf die Wange, den sie erfreut entgegennimmt. Der untere Bildbereich liegt bereits im Schatten, dort hat Putz das Wasser in dunklen Farbtönen gehalten. Dieses schlägt durch die Bewegung des Bootes, vom unteren Bildrand heraus, Wellen. Das Boot nimmt Kurs auf den stimmungsvollen Sonnenuntergang. Die weite, stille Wasserfläche ist in wunderschönes, warmes Licht der untergehenden Sonne in Orange-, Gelb- und Rottönen getaucht. Im oberen Bildbereich fällt der Blick des Betrachters auf das gegenüberliegende Ufer, das horizontal vom linken bis zum rechten Bildrand angelegt ist. Darüber ist noch ein Ausschnitt des Abendhimmels zu sehen, wo der Tag gerade in die Nacht übergeht. Den Abschluss des Himmels bilden sanfte Wolkenschleier in freundlichen Grautönen, die farblich die vom Boot verursachten Wellen aufgreifen.
Das Bild ist im Jahr 1924 entstanden. Zu diesem Zeitpunkt lebte Leo Putz bereits in Gauting, südwestlich von München, wo er seit 1917 ein Grundstück und ab 1923 einen schönen Landsitz besaß. In dieser Zeit war der Künstler besonders produktiv und es entstanden wesentliche Werke seines künstlerischen Oeuvres, die sich durch einen lockeren, am deutschen Spätimpressionismus orientierten Malstil auszeichnen. Das Bild „Sonnwend“ ist das Mittelbild eines Triptychons. Die charmante und gefühlvolle Komposition der Szene und die Beherrschung einer großzügigen Farbpalette macht Leo Putz´ Reife und Meisterschaft besonders deutlich.
(Sophie Höfer)