Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

08. Dezember 2022, 15:00 Uhr

2004

Carl Moll

(Wien 1861 - 1945 Wien)

„Blick auf den Leopoldsberg und das Stift Klosterneuburg (Donaulandschaft bei Nussdorf)“
um 1930
Öl auf Leinwand; gerahmt
60 x 70 cm
Monogrammiert rechts unten: CM

Provenienz

Alma Mahler-Werfel, Wien;
1938 Ida Gebauer, Wien (als Geschenk erhalten);
1945 Klara Röhsler (geb. Gebauer), Dresden;
1958 Familie Röhsler, Dresden;
seit 2004 Privatbesitz, Bayern

Literatur

Cornelia Cabuk, Carl Moll. Monografie und Werkverzeichnis, Belvedere Werkverzeichnisse, Band 11, Wien 2020, GE 465, Abb. S. 252

Schätzpreis: € 40.000 - 80.000

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Neben traditionellen Motiven aus den Praterauen widmete sich Carl Moll in seinem malerischen Spätwerk mit Vorliebe der ländlichen Gegend bei Heiligenstadt und Nussdorf am Rand der Stadt. Moll malte zumindest vier Ansichten der Donaulandschaft mit Blick auf den Leopoldsberg und nach Klosterneuburg, darunter die Donauaussicht, 1906/1916 (GE 234), heute in der Albertina als Teil der Sammlung Essl, Donaublick mit Leopoldsberg und Klosterneuburg, um 1915 (GE 287) und das gleiche Motiv im Jahr 1933 (GE 504), das sich heute in der Sammlung des Wien Museums befindet. Das Gemälde Blick auf den Leopoldsberg und das Stift Klosterneuburg (Donaulandschaft bei Nussdorf), (GE 465), ehemals im Besitz seiner Stieftochter Alma Mahler-Werfel, malte er um 1930. In den Bildern der Serie wird der rustikale, dörfliche Charakter von Nussdorf als Vorort von Wien deutlich bemerkbar. Moll fand das Motiv unterwegs auf dem Nussberg in der Nähe der damals bereits stillgelegten Bahntraße der Zahnradbahn auf den Kahlenberg, die bis 1919 in Betrieb war und ein beliebtes Ausflugsziel der Wienerinnen und Wiener dargestellt hatte.
Carl Moll, ehemals Mitbegründer der Secession, intensivierte in den 1930er Jahren die Auseinandersetzung mit dem Werk von Paul Cézanne, dessen Lebensweg er mit seinem Freund in jenen Jahren, Julius Meier-Graefe, während seiner Aufenthalte in der Provence an den Originalschauplätzen verfolgte. Moll zeigte Hauptwerke von Cézanne 1925 in der von ihm für den Verein der Museumsfreunde in Wien kuratierten Ausstellung „Die führenden Meister der französischen Kunst im 19. Jahrhundert“ in der Secession. Unter diesem Aspekt war Moll fasziniert vom tektonischen Charakter des Donautals bei Wien. Das abschüssige Terrain aus Felsen, Wiesen, Bäumen und Häusern übersetzte er in die für ihn typische malerische Struktur mit starken Kontrasten des hellen Sonnenlichts und der schattigen Zonen sowie der in der Luftperspektive blauen Ebene mit Stift Klosterneuburg. Moll lebte nicht weit von Nussdorf auf der Hohen Warte bei Heiligenstadt und fand in seiner Wohngegend etliche Motive, die häufig eine südliche Atmosphäre ausstrahlten. Das Motiv bei Nussdorf, bei dem der Flusslauf sich in der Ferne verliert und in dem er die Nahsicht des schroffen Felsabhangs im Vordergrund mit dem scheinbar unendlichen Weitblick verbindet, zählt zu den stimmungsvollen, späten Landschaften des Künstlers.
(Cornelia Cabuk)