Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

08. Dezember 2022, 15:00 Uhr

2064

Bernard Buffet*

(Paris 1928 - 1999 Tourtour, Südfrankreich)

„Toréador“
1958/1965
Öl auf Leinwand; gerahmt
64 x 25,5 cm
Signiert und datiert rechts oben: Bernard / Buffet / 58
Rückseitig auf der Leinwand nummeriert und datiert: II. 1965

Provenienz

Neumeister, München, 15.05.1998, Nr. 131;
seither österreichischer Privatbesitz

Schätzpreis: € 50.000 - 100.000

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"La peinture, on n'en parle pas, on ne l'analyse pas, on la sent." (Bernard Buffet – Musée Bernard Buffet)

Andy Warhols Lieblingskünstler, der Maler und Grafiker Bernard Buffet, wurde 1928 in Paris geboren und studierte am Lycée Carnot und von 1943 bis 1945 an der École des Beaux-Arts Kunstgeschichte (vgl. Udo Kittelmann (Hg.)/Dorothée Brill (Hg.), Bernard Buffet. Maler, painter, peintre, (Kat. Ausst., MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt/Main, 19.04 - 03.08.2008), Frankfurt/Main 2008, Köln, S. 19)). Als Mitglied der Künstlergruppe L’homme Témoin, die den vorherrschenden abstrakten Tendenzen den Rücken kehrte, blieb Buffet ein Leben lang der figurativen Kunst verhaftet und schuf ein über 8000 Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen und Druckgrafiken umfassendes Œuvre von unverwechselbarem Wiedererkennungswert.

Ob Porträts, Stillleben, Stadtansichten, historische oder religiöse Sujets – die thematisch vielseitigen Werke zeichnen sich durch Buffets bereits früh entwickelten und unverkennbaren, persönlichen Stil aus: In dunklen, entschlossenen Linien gewähren sie den Blick auf oftmals karge, trist anmutende Szenen, die das menschliche Dasein in einer von den Schrecken des Krieges geprägten Zeit und Welt thematisieren.
Das Lebensgefühl der Nachkriegsjahre in seinen Werken widerspiegelnd, wurde Bernard Buffet in den 1950er und 1960er Jahren – am Höhepunkt seiner Karriere – als Maler des Existenzialismus und würdiger Nachfolger Pablo Picassos gefeiert, bevor Kunstkritiker seine Malerei als Kitsch bezeichnen sollten und sein Werk beinahe in Vergessenheit geraten sollte.

Das vorliegende Gemälde „Toréador“ stammt aus Buffets berühmter Stierkampfserie – ein Bildthema, dem sich der Künstler seit den späten 1950er Jahren immer wieder zuwandte und dem er 1967 unter dem Titel „La Corrida“ auch eine Ausstellung in der Galerie David et Garnier in Paris widmete: “It was a […] religious level of ceremony, tradition, flamboyant colour and sombre gravity that had attracted him to the corrida and inspired him to produce his remarkable series of paintings, and to return again and again during the 1960s to the subject of the torero.” (Nicolas Foulkes, Bernard Buffet: The Invention of the Modern Mega-Artist, London 2016, S. 353).
Mit dem Sujet der Corrida griff Bernard Buffet eine Thematik bzw. Symbolik auf, die zuvor auch schon das Interesse anderer Künstler und Schriftsteller – wie Francisco de Goya, Pablo Picasso und Ernest Hemingway – geweckt hatte. Auch Buffets Frau Annabel teilte die Faszination ihres Mannes für das traditionsreiche Schauspiel des Stierkampfes und stand dem Künstler als Inspirationsquelle immer wieder für seine variierenden Torero-Darstellungen Modell.
Ein Spiel auf Leben und Tod, Gefahr und Anspannung, Widerstandskraft und Stolz – in der Figur des Matadors fand Buffet nicht nur ein Motiv, um die Schwierigkeiten des Lebens und die Stimmung einer ganzen Generation zum Ausdruck zu bringen, sondern auch seiner persönlichen Ungewissheit als Mensch und Künstler Gestalt zu geben.

Allen Kritikern und Vorwürfen trotzend, setzte Bernard Buffet seinen einst eingeschlagenen, künstlerischen Weg unbeirrt fort, bis er seiner künstlerischen Tätigkeit aufgrund einer fortschreitenden Parkinson-Erkrankung nicht mehr nachgehen konnte und sich im Oktober 1999 das Leben nahm.
Aufgrund zahlreicher Ausstellungen – unter anderem einer umfassenden Retrospektive 2016/2017 im Pariser Musée d’Art Moderne – und Publikationen erlebten Buffets Werke auf dem Kunstmarkt wieder eine Aufwertung.
(Barbara Berger)