Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

08. Dezember 2022, 15:00 Uhr

2011

Gustav Klimt

(Wien 1862 - 1918 Wien)

„Sitzende mit Pelzboa, Studie für das Bildnis Fritza Riedler“
um 1904
Schwarze Kreide auf Papier; gerahmt
45 x 32 cm
Nachlass-Stempel verso: Nachlass / Gustav / Klimt / Sammlung / R. Zimpel

Provenienz

Nachlass des Künstlers;
Sammlung R. Zimpel;
Felix Landau Gallery, Los Angeles, um 1950-55;
Sammlung Felix Landau;
durch Erbschaft Privatsammlung

Ausstellung

1963 Wien, Kunsthandlung & Antiquariat Christian M. Nebehay, Gustav Klimt. Eine Nachlese. 70 bedeutende Zeichnungen, Nr. 41 (Abb.)

Literatur

Christian M. Nebehay (Hg.), Gustav Klimt. Eine Nachlese. 70 bedeutende Zeichnungen, Ausst. Kat. Nr. VI., Kunsthandlung & Antiquariat Christian M. Nebehay, Wien 1963, Nr. 41 (Abb.);
Fritz Novotny/Johannes Dobai, Gustav Klimt, Salzburg 1967, S. 336;
Alice Strobl, Gustav Klimt. Die Zeichnungen 1904-1912, Band II, Salzburg 1982, Nr. 1236, S. 30, Abb. S. 31;
Marian Bisanz-Prakken, Gustav Klimt. Drawings, Wienerroither & Kohlbacher (Hg.), W&K Edition, Wien 2018, Nr. 32


Schätzpreis: € 35.000 - 70.000

Gebot abgeben

Fritza (Friederike) Riedler, geborene Langer (Berlin 1860 – 1927 Wien) war die Gattin von Aloys Riedler, Professor an der technischen Hochschule in Berlin-Charlottenburg. Ihr von Gustav Klimt geschaffenes, 1906 datiertes Porträtgemälde ist eines der Hauptwerke des Goldenen Stils und zeigt sich deutlich durch das von Diego Velázquez gemalte Bildnis der Infantin Maria Teresa inspiriert. Von diesem majestätischen Charakter sind auch die spätestens 1904 gezeichneten Studien für das Bildnis geprägt. Diese gehören zu den letzten Arbeiten, die Klimt mit schwarzer Kreide auf Packpapier gezeichnet hat; noch im selben Jahr (1904) sollte sich seine radikale Wende zu einer helleren Papiersorte und zur neuen Technik des Bleistifts vollziehen. Die dünnen Kreidelinien und die behutsam gliedernde Gestaltungsweise der Studien von Fritza Riedler kennzeichnen diese einmalige Übergangssituation.

Auch in dieser Studie findet der Durchbruch des Künstlers zu einer geometrisch bestimmten Gestaltungsweise seinen deutlichen Niederschlag. Innerhalb der Konturen definiert Klimt mit subtilen, behutsam dosierten Linien die senkrecht fallende Boa, die eckig stilisierten Hände oder die in große Felder gegliederte Bekleidung. Der Blickkontakt mit dem Betrachter ist im Wesentlichen auf ein Auge reduziert, der Mund öffnet sich leicht, wie zum Sprechen. Obwohl das Studium der Stellungen und Gesten der für ihn posierenden Auftraggeberinnen im Vordergrund stand, lässt Klimt die wesentlichen Momente ihrer Mimik immer wieder aufblitzen. Diese Spannung zwischen der Spontaneität des Augenblicks und dem Anspruch des Ewiggültigen macht den autonomen Stellenwert seiner Studien für die Porträtgemälde aus.
(Marian Bisanz-Prakken)